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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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48Maaße behält, um seine Pflichten stets vor Au-gen zu haben. Beständig abwechselnde Illusio-nen verwirren und entfernen ihn alsdenn nachund nach immer weiter von seinem Ziel, d. i.seiner Vervolkommnung. Es ist daher durchausnöthig, daß der Mensch an seine Pflichten vondieser Seite erinnert wird, und desto öfterer jemehr er aus sinnliche hänget. Ueberhaupt brauchtja, jeder Mensch, selbst der allerbeste zur Erfül-lung seiner Pflichten selbst der bürgerlichen Pflich-ten in dem Zusammenleben, wenn er nicht da-rin läßig werden sol, einen gewissen Zwang,durch welchen er nicht allein an die Ausübungdieser Pflichten erinnert, sondern selbst zuweilenangehalten wird. Dieser überredende Zwang mußnun so beschaffen seyn, daß er nicht allein unsreSeele, sondern auch das sinnliche rühre und inBewegung setze; nur muß es in der Religionauf eine solche Weise geschehen, daß der Menschimmer dabei empfinde, daß dergleichen sinnlicheRührungen nur blose Mittel sein können, umseinen Geist empor zu schwingen. Bleibt er da-her an ersteren hangen, dann ist das zweite nichtmöglich. Die Versprechungen daher, so demrechtschaffenen vom zukünftigen Glück, hingegendie Warnungen für Beraubung desselben, so demmuthwilligen Verächter dieser Lehre geschehen,sind im Evangelio immer in einer unsern Sinnenangemessener Hülle eingekleidet. Für den ein-fältigen, ja den grösten Theil der Menſchen warund ist es also nöthig, daß die Religion nichtallein in sinnlichen Bildern den Menschen dar-gestellet, sondern letzterer durch sinnliche Bewe-angesetzet werde genau auf selbigegungsgründe