47Zweitens. Nicht weniger ist der äussere Gottes-dienst und eine deshalb zu gebende und zu beobachten-de Vorſchrift zur Erbauung nothwendig. Der Menſchsol und muß, wenn er dem Endzweck der Religionentsprechen wil, stets fühlen, wie grossen Dank erGott, und welche Liebe er dem Nächsten schuldigist. Nichts ist billiger und gerechter, als daßder Mensch auch hievon öffentliche Zeichen undBeweise ablege, um bei anderen ähnliche Em-pfindungen zu erregen. Der ihm natürliche Hangzur Sinnlichkeit gewinnet aber bei einer oft aus-gebreiteter Kenntniß, durch Mangel an Wach-samkeit dennoch gar zu oft dergestalt das Ueber-gewicht, daß der Mensch die Lebhaftigkeit obigerEindrücken nicht mehr in solchem hinreichendenMaaßeMenschen Eindruck machen sol, auf Erfahrung gegründetseyn muß, kan man behaupten, daß nur allein die Er-fahrung uns klug mache. Man predige dem sinnlichenMenschen noch so viel einleuchtende speculative Gründevor, diese werden nichts bei ihm fruchten und ihm seinesinnliche Ergötzungen leid machen. So bald er aber dieschädliche Folgen davon bei sich fühlet, oder an seinenBekandten die der nemlichen übermäßigen Sinnlichkeitergeben waren, bemerkt, dann gehet er in sich zurück.Seine Lust zur Sinnlichkeit vermindert, und so balder durch seine und anderer Erfahrungen mit Gewißheithat schliessen gelernet, daß die bösen Folgen, das unan-genehme so auf die übertriebene Sinnlichkeit nothwendigzuletzt folgen muß viel grösser und wichtiger ist, alsdas augenblickliche angenehme so er bei Büssung seinerLust empfindet, dann wird ihm der Kitzel, den er vor-her auf alle Art zu unterhalten und zu vermehren trach-tete zur Last. Jetzt siehet ein jeder den Grund warum ichfodere, daß jede Lehre so den Menschen moralisch besse-ren sol, sich auf pracktische Thatsachen beziehen müße.Durch die Entwickelung dieser Warheit zerfallen die wich-tigsten Gründe für die Deisterei sowol als Indifferen-tisterei.
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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