46Ueberdem gibt ein an verschiebenen zu gleicherZeit ertheilter Unterricht, Gelegenheit über dieseund jene Materie sich nachher untereinander zubereden, und dadurch daß einer dem anderenZweifel aufwirft, die Warheiten genauer zu er-kennen: gnug, die Kathechisationen sind die nic-deren, und die Predigten die höhere Schulen fürdie Chriſten. Da aber die Religion die pracktiſchmoralische Besserung des Menschen ganz alleinzum Grunde hat, eben wie die eigentliche Arz-neigelartheit die Genesung des Kranken, so ist esklar, daß in dem für das allgemeine zu geben-dem Unterricht, nichts anders gehöre, als wasden Menschen pracktisch moralisch besseren, wasihm Glauben und Vertrauen auf Gott, undLiebe gegen den Nächsten einflössen kan. Alletheoretische, polemische Zänkereien sollen also hierweg bleiben, sie schaden im moralischen eben soviel, als die theoretischen Spitzsindigkeiten undHypothesen der Aerzte am Krankenbette. DerMenſch wird klug und glücklich entweder durchLehre oder Erfahrung. Die Religion wil, daßer schon für die Zukunft klug werden sol durchLehre, damit er nicht durch die traurigste Er-fahrungen sich erst zu überzeugen brauche, daßeben wie im physischen so auch im moralischenmit den bösen Handlungen die bösen Folgen un-fehlbar verknüpft sind. Letzteren sol er also zu-vorkommen, dies ist Endzweck der Religion, mit-hin kan selbige nicht auf theoretische Speculatio-nen, auf äusseren Schein, sondern muß auf prack-tische Thatsachen (*) sich beziehen.Zwei-(1) In so fern daß jede Lehre, wenn sie auf den sinnlichenMenſchen
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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