45gen sich selbst und seine Nebenmenschen ohne Un-terricht hinreichend erkennen, und verhüten daßer nicht durch sinnliche Vorurtheile und Illusio-nen von derſelden Ausübung abgehalten werde?Wie deutlich und wie einfach auch hierüber dieVorschrift Christi ist, wenn er sagt (a) "Alles" nun, das ihr wöllet, daß euch die Leute thunsollen, das thut ihr ihnen: das ist das Ge-setz und die Propheten,; so begreift doch einjeder daß sehr viele ja gewiß die mehresten Men-schen für sich, diese so sehr simplisicirte Vorschriftin ihrem ganzen Umfange nicht begreifen, oderrecht auslegen würden, wenn ihnen nicht hierübernach ihrer Lage, und besonderen Fähigkeiten auchbesonderer Unterricht ertheilet wird.Nun ist es aber eine bekannte Sache, daßder wörtliche so genannte lebendige Unterricht ei-nen weit stärkeren Eindruck auf den Menschenmacht, als jeder anderer; mithin ist es nöthig,daß überal die Geistlichen, die Lehre des Evan-geliums so wol in ihren Predigten als Cathechi-sationen so viel als möglich ihren anvertrautenGemeinsgliedern durch eine deutliche, überzeugendeVorstellung recht einleuchtend machen. Dies istum desto unentbehrlicher, da der allergröste Theilder Menschen entweder aus Ungeübtheit, oder zugrossem Hang ans sinnliche, von den Religions-warheiten, wenn er selbige für sich ohne Anlei-tung erlernen ſol, ſich ganz verkehrte Denk-bilder macht und durch letztere abgehalten wird,das wesentliche der Religion recht zu nutzen.Ueberdem(*) Evang. Matth. 7. v. 12.
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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