Vernunft behält, dasjenige wählet, was seineEinsichten ihm als das beste darstellen. DerGlaube beruhet also auf Erkenntniß: ersterernimmt daher zu, nach Maaßgabe daß letztere aus-gebreiteter und deutlicher (*) wird. Wie wilaber der Mensch, fürnemlich der gröste Theil der-selben, welcher nemlich so sehr ungebildet ist undvon so unzähligen Vorurtheilen herumgeschleudertwird, zu dieser einigermassen deutlichen Erkennt-niß, ohne gründlichen Unterricht gelangen?, Wiewil er anders Gott als seinen Höchsten Wohlthaͤ.ter, als seinen besten Vater lieben können, daman ihn sich mehrentheils als den unwidersieh-lichen Despoten, ja oft als einen solchen, der sogar den Menschen Falstricke zum Verderbenlege, und an der Bestrafung derselben, Befriedi-gung ſeiner Begierden erhalte, vorſtellet? Und wiewil endlich der Mensch seine höhere Pflichten ge-gen(*) Man wirft vielleicht hier ein, daß es manche gäbe,die viele Erkenntniß, aber fast gar keinen Glaubenbesäßen. Allein bei denen ist die Erkenntniß dieser Re-ligion Christi nicht so deutlich, daß der Mensch mit Ue-herzeugung einsehen solte, daß er auf diesem Wegezum höchsten Gute gelangen werde, sonst würde er ihngewiß wählen. Nicht selten ist er so sehr aus sinnlichegefesselt, oder in so vielen Illusionen verwickelt, daßer sich ohnerachtet seiner Kenntniß, dennoch von dereigentlichen Warheit und Beschaffenheit dieses Wegesnicht lebhaft gnug überzeugen und den festen Ent-schluß fassen kann seine Sinnlichkeit zu verleugnen undin der moralischen Vervolkommnung seine Glückseeligkeit zu suchen; und zwar in getreuer Anwendung allerder Mittel welche das Evangelium an Hand gibt. Ersuche nur dem Rathe Paulus zu folgen: seiner Mei-nung gewiß zu seyn, dann wird auch sein Wille nichtmehr so wancken.
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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