42die moralischen Kräfte ungefehr in gleichem Ver-hältniß abnehmen, als die Begierde und Lust desMenschen am sinnlichen steiget. Jetzt ist derGrund und Warheit offenbar, warum Paulus be-hauptete, daß der Mensch, so bald er in Reli-gionssachen sich ans sinnliche hienge; nicht an-ders als blind in solchen angesehen werden könne.§. 6. Ich schmeichle mir also deutlich gezeigtzu haben, daß den Christen die Einrichtung desäusseren Gottesdienstes überlassen worden, unddaß diese Art von Gottesdienst nach den deutlich-sten Aussprüchen Christi und seiner Apostel nichtden allermindesten Werth bei Gott haben könne,sondern vielmehr so bald der Mensch nur im ge-ringsten solches übertreibe, alsdenn aufs sinnli-che zu sehr falle und daran hangen bleibe, mit-hin in seiner moralischen Vervolkommnung aufge-halten werde. Niemand muß aber hieraus denSchluß ziehen; also ist gar keine Vorschrift inAnsehung der Einrichtung der äusseren so genann-ten Gottesdienstlichen Handlungen nöthig. Dießwäre sehr übereilt, und für den grösten Theilder Christen abermal gefährlich. Daß selbigedurchaus erfodert werde, wil ich gleich zeigen:nur wiederhole ich, daß aus dem vorhergehendenerhellet, wie daß diese Vorschrift von der Na-tur seyn müße, daß der Mensch dadurch bloszum wesentlichen der Religion, der mehreren Auf-klärung in Religions Warheiten, und Ausbil-dung seines moralischen Verhaltens gegen seineNebenmenschen geführet und angesetzet werde,ohne sich je dabei an dergleichen sinnliche Mittelzu hangen und in selbigen den geringsten Werth
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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