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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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35Hauptgebots in dieser Religion, ich meyne dieLiebe des Nächsten, seine erste Pflicht; daß erohnerachtet der ihm von Gott hierüber ertheilterund in der Vernunft gegründeter Freiheit, den äusse-ren Gottesdienst, nach den moralischen Umständendes Nächstens mitmachen müße, (§. 8. N. 3.) so oftein schwacher d. i. in seiner Erkenntniß und Glau-ben an diese Freiheit noch nicht völlig befestigterChrist, dadurch ebenfalls zur Unterlassung desäusseren Gottesdienstlichen zu seinem Schaden an-gesetzet werden könnte, gegen sein Gewissen d. i.gegen sich selbst untreu zu handeln, in der Un-sicherheit, ob dieses sein Glück befodere odervermindern werde. Denn der Endzweck der Re-ligion ist nichts anders als Glückseeligkeit, Ver-volkommnung des Menschen; mithin darf derMensch keine Handlung begehen, von welcher ernoch zweifelt, ob er auch dadurch seinen physi-schen oder moralischen Zustand vielleicht ver-schlimmern könne. Mit einem Wort eine auf dieLiebe des Nächsten sich allein gründende Klug-heit, solte bestimmen, ob man, um andere Men-schen zur moralischen Vervolkommnung anzusetzen,das äussere der Religion mitmachen solle, odernicht. Der Erlauchteste Paulus, der den Corin-thern sich zum Muster darstellete, daß sie nem-lich in ihrer äusseren und inneren Religion es somachen solten, wie er es machte, indem er sagt(a) Seyd meine Nachfolger, gleichwie ich Christi;handelte in Ansehung der ganzen äusseren Reli-gion volkommen, diesem Principium gemäß, underkläret sich hierüber auf das deutlichste wenn erC 2ſagt(4) 1. Br. a. d. Cor. 11. v. 1.