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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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setzes fiel nun nicht allein bei der Religion Christiweg, sondern da alles was Gott auf dieser Erdeerschaffen hat, gut ist, so solte auch nunmehroder Mensch die volkommenste Freiheit haben, alleirrdische ihm verliehene Güter ohne einige Aus-nahme geniessen zu können, um darin so viel mehrdiekommenheiten beilegen, die er an sich wahrnimt. Denndazu, daß er Gottes Volkommenheiten erkennete, wiesie ihrer inneren Beschaffenheit nach in Gott sind, dazuwürde erfodert, daß er selbst an der unendlichen Naturunmittelbar Theil nähme. Wie wil also der Menschvon der Haushaltung Gottes, wenn ich mich so aus-drücken darf, nur in etwa mit einigem soliden Lichte ur-theilen, da er Gott, dieses unermeßliche, unendlichmächtige Wesen nicht einmal in denen Eigenschaften er-gründen kan, wovon er Spuhren bei sich selbst findet!Auch die Engel, diese Claße höherer Geister bemühetensich die Geheimniße des Evangeliums einzusehen undkonnten's nicht. Der gelehrte H. Seiler sagt daherin seiner vortreflichen Abhandlung von der GottheitChristi S. 13. Denn, ob wir schon durchaus keine an-schauende Erkenntniß von der Gottheit erlangen können:so wissen wir doch dies: es ist ein Gott: wir haben ihmunser Daseyn zu danken; unsre Schicksaale hangen vonihm ab; er befördert durch die Einrichtung der Naturunsre Wolfart; er hat mit tugendhaften Handlungengute, mit lasterhaften böse Folgen verbunden; er be-darf meiner nicht; er thut mir alles Gute aus freierGnade; ich muß mich also nach den Gesetzen richten,die er in die Natur gelegt, die zu erkennen er mir Ver-stand gegeben hat; ich kan auch hoffen, daß es mirkünftig wohl gehen werde, wo ich diesen Gesetzen undVorschriften getreu bleibe. Denn Gott zeigt sich durchdie grossen Werke der Natur schon als den weisesten,den gütigsten, den wohlthätigsten; er hat sich durch dienähere Offenbarungen in seinem Worte mir noch weitdentlicher von dieser Seite gezeigt: auf ihn wil ich hoffen, ihm gehorchen und ihn lieben, ihm danken. Sopenig ich von Gott weiß, so ist es doch genug zur Religion.