21ren Sachen seine Vernunft üben, stets mehr Auf-klärung suchen. * Hierauf gründet's sich, wennder Apostel einen vernünftigen Gottesdienst anbe-fiehlet. Dieser solte blos auf das reelle Glückder Menſchen abzielen,EineDies ist auch gar im geringsten nicht mit dem, für denMenschen sonst durchaus nothwendigem Befel, daß er inder Religion seine Vernunft gefangen nehmen solle,streitend. Gott hat den Menschen in der von ihm ge-offenbarten Religion alles dasjenige deutlich gesagt,wovon der Mensch durch seinen Verstand die GründeDiese Offenbarung sol dereinzusehen vermögend ist.Mensch recht prüfen, und ihre sämmtliche Gründeabwiegen, und zwar mit einer solchen Genauigkeit, mitwelcher der Scheidekünstler die Erze untersucht; welchernemlich nichts ununtersucht zurückläßt, wie der Ausdruckdes Apostels, δοκιμαζετε παντα solches zeigt:So hald er dieses thut kann es nicht fehlen, oder erwird die christliche Religion als einen sicheren Weg zueiner höheren Stufe der Glückseeligkeit in und nach die-ser Welt zu gelangen anerkennen. Dies ist gnug, umdieselbe ihm als annehmungswürdig scheinen zu machenDer allweise und des Menschen Herz allein ergründendeGott fand es aber dabeneben nothwendig, ausser den oben-gesagten Warheiten, auch noch solche den Menschen zuoffenbaren, von welchen sie auf dieser Welt gar keinedentliche Begriffe zu erhalten fähig sind. Nun ist es aberbekannt, daß, so bald der Mensch sich untersiehet überSachen zu urtheilen von welchen er keine deutliche Be-grisse hat, und was noch mehr ist bei der ihm vom Schöp-fer ertheilter Perceptibilität zu erlangen fähig ist, erwohl nie anders als irrig urtheilen könne. Aufs bestegenommen, muß, da er in keinem Schluß auch nur diemindeste Evidenz erlangen kan, ein Zweifel auf den an-deren folgen, und so wird der Mensch an der einenSeite seine Kräfte ganz unnütz verschwenden und an denandern, von der Erlernung seiner eigentlichen Pflichtenabgewendet werden. Die Erfahrung zeiget dieses klar be
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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