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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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20hat. Daß die Taufe und das Abendmal dies zurAbsicht haben, und jeder Mensch dabei diese Ab-sicht erreichen kan ist eben so offenbar. Es fältalso anjetzt die bei den Juden ganz nothwendigeIntoleranz nicht allein gänzlich weg, sondern einjeder fremder muß die Vortreflichkeit und denVorzug der christlichen Religion, so bald er sienur von der rechten Seite einsiehet, anerkennen,und selbige annehmungswürdig finden. Dieswürde man aber gewiß nicht im allgemeinen vomMenschen sich versprechen können, wenn die Religion in vielen äusserlichen Handlungen eingehülletwäre; mithin der einfältige ans sinnliche so sehrklebende Mensch gleichsam nothwendig dahin fal-len müste, in diesen äusseren Handlungen, undnicht im wesentlichen der Religion, die eigentlicheBestimmung zu suchen. Die Wahrheit hievonwird bald hernach weiter ausgeführet und durchdie Lehre Paulus bestätiget werden.Eine andere Ursache, warum Gott in derReligion Christi, den Menschen in Rücksicht aufsäussere des Gottesdienstes eine solche Freiheit ver-stattete, war wol diese, daß sie nun an der ei-nen Seite sich um so gewisser überzeugen solten,daß die eigentliche Absicht Gottes gar im ge-ringsten nicht seye irgend einen äusseren Dienstoder Ehranthuung, wenn ich mich so ausdrückendarf, von dem Menschen zu erzwingen; sonderndaß die Religion blos allein darauf ziele, wieder Erdenſohn ein beſſerer und glücklicherer Menſchwerden könne. Er solte nun um so vollkomm-nere, so viel hoͤhere Begriffe von dem Gottesdiensterhalten, und selbst hierin so wie in allen ande-ren