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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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Sorgfalt man die Heiden, wenn man auch schoneinigen erlaubt hatte in den Thoren zu wohnen,vom Gottesdienst ausschloße. Die von Gott derWelt gegebene Religion, oder mich klärer aus-zudrücken, der von Gott den Menschen verkün-digte Weg zu einer grösseren Stufe der Glücksee-ligkeit zu gelangen, war daher eigentlich nur fürein Volk dazumal bestimmet. Christus hob aberauf einmal diesen Unterschied auf. Die Religionsolte jetzt für alle Menschen ohne Ausnahme seyn;ein jeder solte nun jede Gelegenheit sich in unddurch die Religion aufzuklären und sich glücklichzu machen benutzen können und dadurch mehrereund höhere Pflichten kennen lernen, dagegen aberauch höhere Belohnung erwarten dürfen. Soltenun dieser Endzweck erreichet und die Religionallgemein gemachet werden, so muste alles äusseregezwungene in so fern wegfallen, daß jedes Volkund jedes besondere Mitglied desselben, den äus-seren Gottesdienst nicht allein leicht mitmachen,und nichts rechtmäßiges ärgerliche d. i. seinerVernunft, als Gott verunehrendes anscheinendedarin finden, sondern alsbald das wesentliche derReligion im Zusammenhange übersehen und sichvon ihrer Vortreflichkeit überzeugen können. Daßdieses in der Religion Christi erhalten werde,wird wol niemand in Zweifel ziehen, da selbigeauf dieſe zwei Grundſätze nicht allein gebauet iſt,sondern gleichsam nur darin bestehet, nemlichdahin sich zu bestreben, Gott als unseren Schöpferund erſten Wohlthäter, und alle Nebenmenſchenohne Ausnahme als uns selbst zu lieben; undzwar in dem Maße wie wir aus den evangeli-ſchen Geſchichten wiſſen, daß Chriſtus es gethauB 2hat.