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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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Weibe, wie sehr derselben Nation auch von denJuden für Ketzer gehalten wurde, daß die Zeitkäme und würklich schon da wäre, daß man we-der auf diesem noch jenem Berge Gott anzube-ten brauchte; hiezu würde in der Folge jederOrt der Welt, jede Zeit, jene Stellung desKörpers rc. eben gut seyn. Nur müßte manGott im Geist und in der Warheit anbeten. Hie-rauf reducirte Gott selbst allen denjenigen Dienst,welchen er von den Menschen foderte und dener deswegen von ihnen fodern mußte, weil oh-ne selbigen sie nie zum Besitz irgend eines reellenund beständigen Glückes gelangen können; oderwelches einerlei ist, weil ohne selbigen der Menschin seiner Vervolkommnung fast gar nicht fortschrei-ten kann. Und da nun der Werth und dasWesen der Religion nicht mehr in einigen äns-serlichen Handlungen gesuchet werden, sondernblos allein in allgemeiner Verbesserung des mo-ralischen Zustandes, d. i. Sinnesänderung be-stehen solte, so stelte Gott den versprochenenMessias in der Person des Erlösers zum Vor-bilde dar, daß hinführo die Menschen sich nachihm formen solten, d. i. wie Paulus sagt, sogesinnet seyn, wie Jesus Christus auch war:welcher, nicht gleich dem ersten Menschen, durchäusserliche sinnliche und körperliche Mittel Gottgleich zu werden sich bemühete; sondern demMenschen durch sein Vorbild zeigte, wie erdurch Gehorsam an Gott, und völliger Ueber-windung aller sinnlichen Begierden, in bloserErhöhung seiner Geisteskräfte Gott immer näherzu kommen sich bestreben solte. Da nun derMensch hiezu durch gar keinen ceremoniellen Got-tesdienst