14ten Manuscripten fürnemlich des alten Testamentsviele Streitfragen aufgeworfen sind, weswegendann in den neuern Zeiten der berümte Ken-nikot sich die Mühe gegeben, eine grosse MengeVarianten, die sich bis auf 86 belaufen soll,nachzusehen; und dieserhalb aus Frankreich,Deutschland, Italien, ja selbst dem Vatican Un-terstützung erhalten hat. Dies ist eine Haupt-quelle der verschiedenen Denkangsart der Men-schen, welche aus der Bibel den wahren Got-tesdienst erlernen wollen. Es giebt aber auchnoch eine andere, und vielleicht noch viel frucht-barere Quelle.§. 2. Ein redlich gesinnter und es ganztreu mit sich meinender denkender Kopf kann dieReligion, wenn er selbige von aller ausserlichenHülle abstrahiret, auf sehr wenige Punkten sim-plificiren. Bekannt ist es, daß man in Erler-nung einer Wissenschaft immer dabei gewinnet,je mehr man selbige simplificiren, das ist, aufwenige einzelne Sätze zurückbringen kann. Daßdies bey der Religion geschehen könne, zeigt unsder göttliche Lehrer ganz unfehlbar, wenn er dieganze Religion auf folgende Sätze reducirte, woer nemlich sagt: Du solst lieben Gott deinenHerrn von ganzer Seele, von ganzem Gemüthund von allen Kräften, und deinen Nächstenals dich selbst, und ausdrücklich dabei behauptet,daß darin das ganze Gesetz und die Prophetenenthalten wären. Er gieng noch weiter und hobnicht allein den ganzen beschwerlichen ceremoniel-len Gottesdienst auf, sondern zeigte unter andern(Evang. Joh. 4. F. 20.26.) dem samaritischenWeibe
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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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