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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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mich einen großen Theil meines Lebens be-schäftiget. Ich überzeugte mich bald vonder Nothwendigkeit, wenn man nur eini-germaßen sich beruhigen will, alle Vorur-theile des Ansehens fahren zu lassen. Vonder Wahrheit durchdrungen, daß Gott al-lein die Warheit seye, hingegen alle Men-schen Lügner, war mein eifrigstes Bemühen,alles menschliche von meinen Religionsbe-griffen abzusondern. Ich gieng dabei öftersirre, und kam in Zweifel selbst über wichtig-ste Warheiten, allein die gütigste Vorsichtleitete meinen Geist wieder zurecht. DieseAbhandlung ist nun das Resultat meinerBemühungen, meines Nachsinnens. Sieist also ein Kind der Natur, und enthältnichts gekünsteltes, noch erzwungenes. Ichhabe selbige mit einfältigem Herzen nachmeinen Empfindungen und Ueberzeugungenhingeschrieben. Ich hoffe durch Gottes Kraftimmer weiter hierin zu kommen, die lautereWarheit immer mehr von dem ihr ankleben-dem, sie versteckendem sinnlichen abzufondern.Ich wünsche dieses mir und allen Menschen,um so wol im reinen Glauben an Gott,als in der wahren Menschenliebe immer zu-zunehmen