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Philosophische Betrachtungen eines Christen über Toleranz in Religion, zur Grundlage der Vereinigung sämmtlicher Religionen
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zunehmen. Und da die Toleranz eine Haupt-tugend aller Christen seyn sol, so muß auchjeder von der Warheit durchdrungen seyn,daß niemand bei den Auftritten im gemei-nen gesellschaftlichen Leben bei sich empfin-den müsse; ob man Christ, Heide, Türk,ob man katholisch, protestantisch oder grie-chisch seye. Wir sollen zu allererst und stetsempfinden, daß alle Nebenmenschen ohneAusnahme unsre Brüder seyen, die dasnemliche Recht zur Glückseeligkeit haben,als wir. Und wie muß in dieser allgemei-nen Menschenliebe der Christ sich nicht aus-zeichnen. Er sol Christi Nachfolger seyn;er sol so leben, wie dieser jhöchste und un-verbesserliche Lehrer lebte, d. i. so ganz ge-meinnützig seyn. An statt daß also dieChristen sich in ihrem äusseren Gottesdienstso sehr absondern, sich haßen, fürchten undallerlei lieblose Vorurtheile gegeneinanderernähren, ja gar durch irrige Religionsbe-griffe geblendet, öfters in ihre eigne Einge-weide wühlen, als wovon ich selbst öfterstrauriger Zuschauer gewesen bin, solten sieſich alle dahin beſtreben, in der Duldſamkeitund Liebe unter einander, und gegen alle Men-schen, ihrem göttlichen Lehrer gleich zu werden.