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Die St.-Quirinus-Kirche zu Neuss : unter Zugrundelegung der Restaurationspläne des Regierungsbaumeisters Julius Busch
Entstehung
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betrachtet. Unterstützt wird diese Annahme durch eine aussen in der Ostwandder nördlichen Seitenkapelle sich zeigende, gegenwärtig vermauerte Oeffnung, derenBogen in seinem unteren Drittel durch horizontale Auskragung der Steine gebildetwird, eine Konstruktion, die auch an den älteren, dem 9. und 10. Jahrhundert an-gehörigen Theilen der Abteikirche zu Werden vorkommt. Die Gestaltung desgegenwärtigen Baues verliert zum guten Theil ihr Auffallendes, wenn man annimmt,dass beim Neubau, diese Querschiffstheile geschont oder benutzt wurden. Daherdas Nichtzusammenfallen der Kapellen mit der Jochtheilung des Mittelschiffes unddaher auch die Ungleichartigkeit in dem Axensystem. Mit der Annahme derSeitenkapellen als Theile der früheren Querschiffanlage, welche zugleich auch aufdie'Dreischiffigkeit der früheren Kirche hinweist, ist die Rekonstruktion der Haupt-sache nach festgelegt. Als Westabschluss ist die jetzige Westfacade festgehaltenworden, da das Bauwerk keine Anhaltspunkte dafür bietet, dass dasselbe sichehedem weiter nach Westen erstreckt haben sollte. Ob die Schrägstellung derjetzigen Westfagade ebenfalls* schon in dem alten Bau vorgezeichnet war, lässt sichnicht mehr erkennen. Die hierdurch bedingten Schwierigkeiten aber hat derKünstler jedenfalls mit Geschick überwunden. Durch die schon erwähnte Auf-lösung der Westmauer in zwei Mauerkörper wurde die Möglichkeit gewonnen, dieInnenmauer, d. i. die Westmauer des Thurmes, senkrecht zur Axe des Mittelschiffesanzuordnen. Neben dieser Zurückschiebung trägt auch die Anordnung des Giebel-daches noch weiter dazu bei, die Schrägstellung der Westfagade gegen die Thurm-front zu verdecken.

Da die ursprüngliche Kirche schon im 11. Jahrhundert in der Krypta eineöstliche Erweiterung erfahren hatte, so konnte bei dem Umbau im 13. Jahr-hundert, wenn diese möglichst geschont werden sollte, das neue Langhaus einewesentliche Verlängerung nach Osten nicht erhalten. In diesem Umstände undin dem durch die Beibehaltung des Querschiffes ausgeübten Zwange ist somitder Grund für die ungleichmässige Arkadentheilung zu suchen. Zu weiterenSchlüssen über die Gestaltung der ursprünglichen Kirche fehlt es an gesichertenAnhaltspunkten. Man ist im Hinblick auf andere Frauenklöster, z. B. Essen,Gandersheim, indess wohl zu der Annahme berechtigt, dass auch die Neusser Stifts-kirche mit einer zum Aufenthalte der Nonnen bestimmten Westempore und viel-leicht auch (wie Gernrode) mit Seitenemporen ausgestattet war. Will man aberletztere nicht zulassen, so würden die auffallenden, in der Axe jenes alten Quer-schiffes liegenden Blendnischen der Hochwand vielleicht für ursprüngliche Oeff-nungen eines sich hier ehedem erhebenden Vierungsthurmes zu halten sein. 1 ) Diegedrungene Form, welche das Langhaus in der vorgenommenen Rekonstruktion

') Ihre nachträgliche Vermauerung ist auf den Dachböden der Seitenschiffe deutlich zu erkennen. Die Form der an der Hochwand angebrachten Konsolen ist zu wenig charakteristisch, um darangegründete Vermulhungen knüpfen zu können.