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abgebrochen. Schlimmer noch aber war die bei der Anlage eines neuen Flurbelagesgetroffene Aenderung. Der die Kirche umgebende Platz hatte sich allmählich derarterhöht, dass der Fussboden der Kirche niedriger lag; statt den Platz abzutragen, zogman es vor, den Fussboden der Kirche durch eine Sandschüttung mit dem Aussen-terrain auf gleiche Höhe zu bringen. 1 ) Die Sockel der Pfeiler wurden hierdurchdem Auge entzogen, und die schönen Verhältnisse der Kirche erlitten grosse Ein-busse. Der im Jahre 1779 erfolgte Einbau einer die Westwand verdeckenden Orgel-bühne bildete den Abschluss der baulichen Massnahmen des vorigen Jahrhunderts.
Durch den Frieden von Luneville (9. Februar 1801) wurde das Land linksdes Rheines und mit ihm auch Neuss an Frankreich abgetreten. Dem Konsular-Beschluss vom 20. Prairial des Jahres X (9. Juni 1802), mittels dessen alle in diesemGebiete bestehenden Klöster und geistlichen Stifte aufgehoben wurden, fiel auchdas Quirinusstift zum Opfer. Die Quirinuskirche blieb als Pfarrkirche erhalten. Siewurde im Aeussern nach allen Seiten hin freigestellt, im Innern durch Corneliusmit Fresken geschmückt. In den Jahren 1806—1808 malte er in Chor und Kuppeldie Apostel, Evangelisten, alttestamentliche Figuren Grau in Grau, in Wasserfarben.Diese Bilder, welche im Laufe der Zeit sehr gelitten, sind später mit Einwilligungvon Cornelius beseitigt worden. 2 )
Eine in den vierziger Jahren unter Oberleitung des Bauinspektors Oppermannvorgenommene Restauration, welche namentlich durch die tiefgreifende Verwitterungerforderlich geworden war, hat wegen Mangel an ausreichenden Mitteln eine unvoll-ständige bleiben müssen. Dieselbe soll aber, wenn der Wunsch des jetzigen, fürdas ihm anvertraute herrliche Gotteshaus begeisterten Oberpfarrers Junker sicherfüllt, nunmehr in Bälde zum Abschluss gebracht werden.
Für die Restauration des Aeussern ist das Ziel klar vorgezeichnet; es bestehtin dem engen Anschluss an den alten Bestand. Bei dem Westthurme, über dessenursprüngliche Spitze weder in dem Bauwerke selbst, noch in den Ueberlieferungensichere Anhaltspunkte vorliegen, sollen die jetzt bestehenden Eckthürmchen bei-behalten und dazwischen, um die Ueberleitung in das Achteck zu gewinnen, Giebel-dreiecke angeordnet werden. Die Statue des hl. Quirinus, welche im anderthalb-hundertjährigen Bestände das volle Bürgerrecht erworben hat, darf nicht mehrfehlen in dem Städtebilde von Neuss und wird auf's Neue'den Vierungsthurm vonSt. Quirin krönen.
1) Tücking a. a. O. Seite 100: „Bei dieser Gelegenheit hat man zahlreiche Grabsteine, die nicht mehrnutzbar zu sein schienen, bei Seite geworfen, andere in Uebereinstimmung mit den neuen Platten behauenund geglättet, so dass mit den Inschriften zugleich die Erinnerung an gar manche denkwürdige Persongetilgt und überhaupt das Gefühl der historischen Weihe jener Hallen getrübt wurde."
2 ) Es bleibt zu bedauern, dass von diesen Bildern keine Burchzeichnungen gemacht worden sind.Die Beseitigung selbst war wohl nicht zu umgehen, da sie zu störend in die Architektur eingriffen. UmWandfläche zu gewinnen, hatte man die Triforien über den Arkadenbögen der Vierung verdecken müssen.(Organ für christliche Kunst, II. Jahrg., 1852, Seite 20-1.)