Druckschrift 
4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
Entstehung
Seite
132
Einzelbild herunterladen
 

132

Katalog der kriegg-chirurgischen Sammlung.

Band IV,

Theil der hinteren Fläche der Tibia, bis zur Amputationsflächesich erstreckend. Fuss- und Kniegelenk frei.

Albert Martens vom Ostfries. Inf. Regt. No. 78, verwundetam 16. August 1870, aniputirt am 3. November 1870, gestorbenam 4. November 1870.

Sektion: Allgemeine Anämie. Vernarbte diphtherischeGeschwüre des Dickdarms. Venen des Oberschenkels intakt.

[B. L. d. T. F.]

XII. A 44.

Amputation des rechten Unterschenkels. Die Fussgelenks-enden beider Unterschenkelknochen sind kariös.

DasPräparat stammt aus dem Feldzug 1870/71, die Amputa-tion ist wegen Karies der Fusswurzelknocken infolge einerSchussverletzung gemacht.

Andere Operationen.(Hierzu vergl. 16, 37 und XIII. A 39.)

XII. A 45.Inkomplete Sckussfraktur im oberen Tibiadrittel linkerseits.

Neben und unterhalb der Tuberositas an der inneren Flächedes Knochens ein fünfmarkstückgrosser Defekt, welcher durchdie ganze Marksubstanz hindurch bis auf die innere Kortikal-schicht der hinteren und äusseren Knochenwand in die Tiefereicht. Am vorderen Umfang desselben befindet sich eine halb-kreisförmige querlaufende Rinne, in der zarte Knochenbälkchenund sehr kleine Osteophyten in der Richtung nach der Mark-höhle zu verlaufen. Ihr gegenüber am hinteren Umfang desDefekts besteht ein etwas grösserer, halbkreisförmiger Ausschnitt,welcher durch einen an seinem oberen Ende hakenförmig ange-heilten Knochensplitter zum 3 /<i Kreis geschlossen wird. Ander hinteren Wand massige Knochenauflagerungen.

Fussel vom 1. Westpreuss. Gren. Regt. No. 6, verwundetam 1. September 1870 bei Sedan, operirt am 24. April 1871im Lazareth Coblenz. Der Einschuss im Knochen wird mitNagezange erweitert und dadurch ein Abszess im osteoporo-tischen Knochen eröffnet. Tod am 2. Mai 1871 an pyämischenErscheinungen.

Sektion: Thrombophlebitis in der Umgebung der Wundebis in die Vena femoralis, Abszesse in der Kniekehle. Usurdes inneren Gelenkknorrens des Femur und blutig fibrinösesExsudat im Kniegelenk.

[Dr. Voss, Lazareth Ehrenbreitstein.]

XII. A 46.

Abgesprengtes Stück der rechten Fibula im oberen Drittel.Schuss durch den Unterschenkel; kleines Kugelfragmentaus der Tiefe zwischen den Wadenmuskeln extrahirt.

[Dr. Grobe, Reservelazareth Demmin.]

XU. A 47.

Drei extrahirte Knochensplitter der Tibia und Fibula voneiner Schussfraktur des rechten Unterschenkels.

Anton Schlager vom Oesterreich.Inf. Regt.No. 78, wurdeam 3. Juli 1866 durch Granatstück verwundet. Sehr grosseFleischwunde, aus der das spitze untere Ende der Fibula her-vorragt. Die Splitter wurden an der Aussenseite extrahirt.

Vom 3. bis 11. Juli hatte Patient in einer Scheune unbe-wacht liegend sich selbst mehrere Splitter ausgezogen. Am26. Juli wurden die erhaltenen Splitter extrahirt. Patient be-fand sich Ende Juli sehr gut.

[Stabsarzt Borchardt, 2. schw. Feldlazarett! des Gardekorps.]

XII. A 48.

Grosser Splitter aus der Kortikalsubstanz der linken Tibia.

Manowitz vom Oesterreich. Inf. Regt. No. 61, erlitt bei |Königgrätz eine umfangreiche Splitterfraktur der linken Tibia.Extraktion von Splittern in der zweiten und dritten Woche,Pyämie. Heilung.

[Stabsarzt Dr. Behrens.]

XII. A 49.

Resektion in der Kontinuität beider Unterschenkelknocheii iwegen Schussfraktur derselben, 24 Tage nach der Verletzung.Unter den nekrotischen Splittern von der Fibula zeigen zwei,von den sehr scharfen Splittern der Tibia zeigen drei eineSägefläche, die übrigen sind aus den Weichtheilen herausge-zogen.

Michael Watzlafiak vom Niederschles. Landw. Regt,No. 18, verwundet am 7. Oktober 1870 bei Metz IV» Zoll überden Knöcheln. Die Verletzung galt intra vitam für einen Fuss-Gelenkschuss. Resezirtam 1. November 1870. Telegraphendraht- |verband mit Aufhängen des Fusses. Verlauf günstig.

[12. Feldlazarett! VIII. Armeekorps.)

S t Ü in p f e.

XII. A 50.

Kesezirtos Knochenende von einem Amputationsstumpf derTibia.

Joh. Pinther vom Oesterreich. Inf. Regt. No. 6, wunk Iam 14. Juli 1866 ins Lazareth Zittau aufgenommen, er war aufdem Schlachtfelde von Königgrätz dicht über dem Sprunggelenkamputirt. Der schlechte konische Stumpf wurde gangränös,so dass schliesslich der Knochen 5 cm lang aus den Bedeckungenhervorragte. Als die Gangrän sich begrenzt hatte, wurde am12. September die Tibia resezirt, die Fibula hatte sich vonselbst noch etwas höher losgestossen. Der Stumpf heilte gut.

[Stabsarzt Dr. Roth, Lazareth Zittau.]

Nekrosen und Sequester.

XII. A 51.

Sequester einer linksseitigen Tibia.Das Präparat besteht aus einem dreikantigen, an einemEnde zugespitzten, 16 cm langen Knochenstück, welches dervorderen Partie ungefähr dem zweiten und dritten Viertel der zur Krista sich vereinigenden Wandungen der Tibiaangehört und unter unregelmässiger, zum Theil scharf zackigerDemarkation nekrotisch abgestossen ist. Das zugespitzte obereEnde zeigt eine durch ausgebreitete Karies grösstentheils zer-störte Oberfläche und besteht lediglich aus Kortikalsubstanz.An zwei Stellen minimale Kallusauflagerungen. Im unteren.von Karies etwas mehr verschont gebliebenen Abschnitte eine4 cm lange, 1cm breite, sehr dünne Partie Spongiosa. 2cmüber dem unteren stark gezackten Rande des Sequesters, ander schärfsten Partie der Krista einzelne Bleipartikelchen tiefeingepresst. Die dieselben umgebende Kortikalsubstanz in einerAusdehnung von 2 cm Länge und 1 cm Breite glatt und weiss,durch nekrotische Demarkation von den benachbarten wesent-lich veränderten Partien abgegrenzt.