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Vorwort zum vierten Bande.
.Hach Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges erliess die Militär- Medizinal -Abtheilung des PreussischenKriegsmihisteriums sowohl an die im Felde stehenden als an die in Lazarethen des Inlandes beschäftigten Aerzte eineAufforderung, Präparate von wichtigen Knochenverletzungen zu sammeln und an das „pathologische Institut derFriedrich-Wilhelms-Universität in der Charite"" mit dein Vermerk: „Für das kriegs-chirurgische Museum" einzuliefern.
Das lebhafte Interesse, mit welchem die im Dienste der Armee thätigen Aerzte (auch diejenigen der nicht-preussischen Kontingente) dieser Aufforderung entsprachen, verhalf der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu ihrem gegenwärtigen Umfange.
Den Grund zu der Sammlung hatte der ehemalige General-Stabsarzt der Preussischen Armee, Dr. Goercke,gelegt — dessen Initiative auch das Friedrich-Wilhelms-Institut selbst seine Entstehung verdankt — durch Ueber-weisung einer Reihe von Präparaten, namentlich von Hiebverletzungen des Schädels, welche aus älteren Kriegen, zumTheil aus dem Ende des vorletzten Jahrhunderts, stammen. In der langen Friedenszeit von 1816 bis zu den Kriegenunserer Tage ist naturgemäss wenig hinzugekommen, obwohl gelegentliche Zuwendungen von Militärärzten nicht gänzlichausblieben. Ein nicht unbeträchtlicher Theil der gegenwärtig vorhandenen Stücke rührt aus den Feldzügen von 1864und 1866 her, weitaus die meisten und im Allgemeinen die wichtigsten aber datiren aus dem Kriege von 1870/71.
Der Geheime Medizinalrath Professor Dr. Virchow unterzog sich der Mühe, die während des Deutsch-Fran-zösischen Krieges eingehenden Sendungen in Empfang zu nehmen und in ihren heutigen, zur Aufbewahrung geeignetenZustand bringen zu lassen. Auf seine besondere Anregung sammelte überdies Professor Dr. Cohnheim in dem Baracken-Lazareth auf dem Tempelhofer Felde bei Bei'lin eine erhebliche Anzahl von Präparaten, die namentlich deshalb wichtigsind, weil meist ausführliche Sektions-Protokolle dazu geliefert wurden. Die von dorther stammenden Nummern sindim Katalog mit den Initialen B. L. d. T. F. (Baracken-Lazareth des Tempelhofer Feldes) bezeichnet.
Andere Zuwendungen, namentlich solche seitens der im Felde stehenden Aerzte, sind mit minder eingehendenNotizen versehen. Es kann dies nicht Wunder nehmen, wenn man sich vergegenwärtigt, unter welchen Verhältnissendie Gewinnung der Präparate auf dem Kriegsschauplatz im Allgemeinen erfolgte. Nicht selten wurden überdies dieBegleitschreiben durch Wind und Wetter unbrauchbar oder gingen ganz verloren. Sind auch diese Lücken beiBearbeitung des Materials nach Möglichkeit ergänzt worden, so ist doch nicht ganz selten eine aus den erwähntenUmständen erklärliche Unvollständigkeit der Daten geblieben.
Da — wie erwähnt — die meisten und lehrreichsten Bestandteile der Sammlung aus dem Deutsch-FranzösischenKriege herstammen, lag es nahe, den Katalog derselben — welcher in seiner jetzigen Gestalt ins Detail gehende Be-schreibungen, zugehörige Krankengeschichten und Auszüge aus den Sektions-Protokollen enthält, somit einen werthvollenTheil des kasuistischen Materials darstellt — dem Sanitäts-Bericht über den Feldzug 1870/71 einzufügen. Durch zahl-reiche Abbildungen wurde versucht, die Beschreibungen zu unterstützen und auch für Solche nutzbar zu machen, denensich zur Betrachtung der Originale keine Gelegenheit bietet.