Band IV-
II. Abtheilting: Beschreibung der Präparate.
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B. Hiebverletzungen.
Vacat.
C. Anderweitige Verletzungen und Krankheiten.
A r erletzuiigon.
XII. C 1.
Querbrucb der rechten Tibia und Fibula durch Sturz vomPferde. Von der Fibula ist nur das 13 ein lange untere Stückvorhanden. An der Tibia verläuft vom inneren Rande derBruchfläche des oberen Fragments aus nach vorn und hintenje eine sehr wenig steil aufsteigende Fissur; im unteren Frag-ment zwei diesen beiden analoge, nach abwärts divergirendeFissuren. Keine Spur von Kallus.
Das Präparat ist drei Wochen nach der Verletzung durchAmputation gewonnen.
Albert Baier, Trainsoldat vom 2. Feldlazareth des Garde-korps, verletzt am 30. November 1870, amputirt am 20. De-zember 1870 im Barackenlazareth Berlin wegen Gangrän, mitwelcher Patient am 15. Dezember 1870 ankam. Der Unter-schenkel war doppelt frakturirt. Der Amputations-Sägeschnittgeht fast mitten durch die schräg gerichtete Bruchfläche deroberen Fraktur, so dass das obere Segment dieser Bruchflächeam Amputationsstumpf geblieben ist und nur das untere mitdem abgesägten Tibiastück entfernt wurde. Den 29. Dezember1870 Tod an Pyämie.
Sektion: Amputation des Unterschenkels im oberen Drittel,10 cm unterhalb des Kniegelenks, starker Brand der Weich-theile. Vereiterung des Kniegelenks, Milztumor, starke Bronchitis.
[B L. d. T. F.]
XII. C 2.
Nicht konsolidirter Querbruch der rechten Tibia zwischenmittlerem und unterem Drittel. Bruchfläche des oberen Bruch-stückes konvex, die des unteren konkav. Beide etwas gegeneinander abgeschliffen. Nicht bloss an den Tibiafragmenten,sondern auch an der nicht frakturirten Fibula fast in ihrer ganzenLänge, besonders an der vorderen Kante reichliche Kallus-entwickelung. Unteres Tibiabruehstück in seinem oberen Ab-schnitt durch porösen Kallus mit der Fibula fest verwachsen.
MichaelMüller, Musketier vom 8. Pomm. Inf. Regt. No. 61,am 18. August 1870 von schwerem Wagen überfahren, gestorbenam 21. Dezember 1870 im Barackenlazareth Berlin.
Sektion: Auf der vorderen Fläche der Tibia unterhalb derMitte ein handgrosses, 3 cm abwärts ein thalergrosses, gutgranulirendes Geschwür, beide mit der Fraktur kommunizirend,ausserdem mehrere Inzisionen. Amyloide Degeneration derMilz und Nieren. Multiple runde Magengeschwüre im Pylorus,Enteritis chronica. Pneumonia lobularis dextra. AbgelaufenePhlegmone des rechten Unterschenkels, mit Vereiterung desrechten Kniegelenks.
[B. L. d T. F.]
XU. O 3.Taf. LIII. Fig. 1 und la.
Konsolidirte Fraktur der linken Tibia und Fibula. Jederder beiden vorliegenden Knochen 27 cm lang, mithin ver-kürzt um 10—12 cm. Der untere grössere Abschnitt des
mittleren Tibiadrittels ist zerschmettert, die Trümmer diesesStückes sind zur Seite gedrängt und neben der Vereinigungs-stelle der beiden Hauptfragmente theils mit dieser, theils mitder Verwachsungsstelle der Bruchenden der Fibula fest ver-schmolzen. An der inneren Seite der Tibia ist zwischen denziemlich reichlichen Kallusmassen, welche eine sehr feste Kon-solidation der beiden — fast nur unter Dislocatio ad longitudinemzusammengewachsenen — Bruchenden erzielt haben, eine Lückevon 2 cm Breite und 1 cm Höhe geblieben. In der dadurch ge-bildeten Höhlung liegen nekrotische Knochenstückchen lose ein-gebettet. Die Bruchenden der schräg frakturirten Fibula sindunter massiger Kallusproduktion und starker Dislokation nichtbloss ad longitudinem, sondern auch ad latus et ad axim zu-sammengeheilt. Sie bilden einen nach innen offenen Winkel:das obere nach vorn gegen das untere verschoben, mit seinerSpitze 7,5 cm tiefer als die des letzteren liegend und 2 cm vonder vorderen Fläche desselben abstehend.
Matthias Fischer, Fahrer von der 28. Proviantkolonne,verletzt den 16. August 1870 durch Ueberfahren, gestorben den25. Januar 1871 an Ileotypbus.
Sektion: Linker L T nterschenkel um 10cm verkürzt. DieWeichtheile desselben ödematös. In der Mitte mehrere grossefrisch behäutete Wundflächen. Keine Eiterung. Knie- undFussgelenk intakt, ebenso die Venen. Chronische Endo- undPerikarditis. Kleine käsige Knoten in den Lungenspitzen.Etwas Fettleber, frischer Milztumor, leichte Schwellung derPlaque und Follikel im unteren Theil des Ileum.
[B. L. d. T. F.]
XII. C 4.
Fest konsolidirte Längsfraktur in der oberen Hälfte desrechten Schienbeins. Das Wadenbein ist mit dem Schienbeinunmittelbar über der Mitte desselben durch eine sehr festeKallusbrücke von 3—4 cm Höhe verbunden.
XII. C 5.
Fest konsolidirte Fraktur im unteren Drittel der linken
Tibia.
XII. C 6.
Schief geheilter Bruch des rechten Schienbeins.
XII. O 7.
Amputationsstümpfe der linken Tibia und Fibula. FünfTage nach der Operation aus der Leiche gewonnen. Von demKniegelenksende der Tibia ist nachträglich eine Scheibe abge-sägt. Keinerlei auf den Amputations-Sägeschnitt zurückführ-bare Reaktionsphänomene nachweisbar. Vom inneren Rand"cder Amputations-Sägefläche zieht eine sehr feine ganz ober-flächliche Fissur etwa 5 cm weit nach oben und ein wenig nachhinten. An beiden Knochenstücken Produkte einer Periostitisossificans — an der Tibia in geringen Spuren, an der Fibulain reichem Maasse — zu konstatiren.
Jakob Schmieder vom Badischen Leib-Regt., verletzt am8. September 1870 durch Ueberfahren, Splitterbruch im unterenAbschnitt der linken Tibia. Amputirt am 15. November 1870unmittelbar unter der Grenze zwischen oberem und mittleremDrittel des Unterschenkels. Bei der Amputation entleerte sichEiter aus dem Knochenmark.
Tod am 20. November 1870.