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4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
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Band IV.

Band IV.

II. Abschnitt: Einwirkung der Geschosse auf den menschlichen Körper.

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Zweiter Abschnitt.Einwirkung der Geschosse auf den menschlichen Körper.

I. Widerstand der Gewebe.

Der lebendigen Kraft der Projektile entgegen wirktder Widerstand des getroffenen Objekts, als welches fürchirurgische Erörterungen nur der menschliche Körperin Betracht kommt. Zusammengesetzt aus den allerver-schiedensten Geweben von theils sehr grosser, theils äusserstgeringer molekularer Kohärenz und Festigkeit, Geweben,welche überdies an den einzelnen Körpergegenden überauswechselnd angeordnet liegen, besitzt der menschliche Körperin seinen einzelnen Theilen eine höchst verschiedene Wider-standskraft. Dieselbe wächst, abgesehen von den ganz un-berechenbaren pathologischen Zuständen, mit Zunahme derKohärenz, Elastizität und Festigkeit der Gewebe, sowiemit ihrer Masse komplizirte Verhältnisse, welche ge-legentlich noch durch rein physiologische Zustände, Kon-traktion der Muskeln, Anspannung der Seimen etc., nichtunwesentliche Veränderungen erleiden. Hierzu kommt fin-den Soldaten die Beeinflussung der Widerstandskraft durchdie kriegerische Bekleidung und Ausrüstung: je fester oderelastischer diese Gegenstände sind, um so mehr sind siezum Widerstand gegen das andringende Geschoss geeignet;wird ihr Widerstand aber überwunden, betheiligen sie sichan der Geschossbewegung, <so werden sie zu indirektenGeschossen und bringen mehr Gefahren als Nutzen fürihren Träger. Durch alle diese Verhältnisse wird esschwierig und meist geradezu unmöglich, im Einzelfallezu beweisen, dass die Gesetze von der Erhaltung derKraft ihre volle Gültigkeit bei der Einwirkung der Geschosseauf den menschlichen Körper behalten; mau kennt viel-leicht gelegentlich die einwirkende Kraft, wie viel derselbenaber für Wärmeumsatz, wie viel für mechanische Leistungverbraucht wird, ist nicht zu entscheiden. Zur Erklärung;des Beobachteten bleibt man lediglich auf das Experimentund die Schätzung angewiesen.

Kohärenz und Festigkeit der Gewebe sind, abgesehenvon ihrer substantiellen Natur, von ihrer histologischenAnordnung abhängig. Während das Gehirn, die Leberund Milz vermöge ihrer Struktur nur einen sehr geringenWiderstand leisten können, verlangen fester gefügte Ge-bilde, wie Muskeln, Haut und Faszien, vor allen aber dieSehnen und Knochen einen bedeutendem Kraftaufwand derProjektile zu ihrer Durchsetzung. Kein Theil des mensch-

lichen Körpers vermag indessen den gebräuchlichen Kriegs-geschossen bei auch nur massiger lebendiger Kraft einenvollkommenen Widerstand entgegenzusetzen, der Wider-stand wird vielmehr verhältnissmässig leicht überwunden.Erst mit dem Nachlassen der lebendigen Kraft kann derWiderstand der Körpergewebe ausreichen, um ein Auf-halten im Körper zu Stande zu bringen.

Ein solches Aufhalten der Projektile im Körper kann

bei

lebendiger Kraft des Geschosses nur dann

vorkommen, wenn viel mechanische Arbeit geleistet wird.Diese bedeutende mechanische Arbeitsleistung findet z. B.statt bei sehr langen Schusskanälen, welche den Körperin seinen grössten Durchmessern durchsetzen oder aberbei grossartigen Zertrümmerungen fester Gebilde, vorallem der Knochen, die eine starke Rückwirkung auf dasProjektil auszuüben vermögen, die es deformiren undtheilen. Die einzelnen Tlieile des Geschosses können insolchem Falle eine so geringe lebendige Kraft besitzen,dass der Widerstand der Körpergewebe zum Aufhaltengenügt.

Der Widerstand desselben Gewebes ist übrigens beiVeränderung der lebendigen Kraft der Projektile einwesentlich verschiedener; wie ein Stab der leitenden Handbei einem mit grosser Kraft und Schnelligkeit geführtenSchlage auf Wasser den Widerstand des letzteren sehrviel stärker fühlbar macht, als bei einer langsamen Be-wegung desselben Stabes durch die Flüssigkeit, so äussertsich auch der Widerstand des Körpers dem auftreffendenGeschosse gegenüber sehr verschiedenartig. Der Wider-stand wächst mit Zunahme der lebendigen Kraft; er istdeshalb am grössten im Momente des Auftreffens, um so-dann gemäss der Abnahme der lebendigen Kraft und derWiderstandsfähigkeit des getroffenen Gewebes allmäligabzunehmen. Ein plötzliches Aufhalten der Bewegungeines mit grosser lebendiger Kraft begabten Geschossesfindet im menschlichen Körper nicht statt, deshalb sindauch die Bedingungen für eine Erhitzung der Geschosse,insbesondere bis zur Schmelzung des Bleies, hier nicht diegünstigsten; sie werden naturgemäss bei den Knochen, demwiderstandsfähigsten Gewebe, am ersten gegeben sein.

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