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4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
Entstehung
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Erster Abschnitt.Feuerwaffen und deren Geschosse.

Allgemein - Physikalisches.

I. Die im Kriege 1870/71 vorwiegend benutzten Feuerwaffen und

deren Geschosse.

A. Handfeuerwaffen. 1 )

Während des Krieges 1870/71 führte die DeutscheInfanterie mit Ausnahme der Bayerischen das in denFeldzügen von 1864 und 1866 erprobte ZündnadelgewehrM/42, die Jäger dasselbe Gewehr mit geringen Aende-rungen, vor Allem aber mit derselben Patrone; die Baye-rische Infanterie hatte zum grössten Theil das Podewils-gewehr, nur vier Bataillone waren bei Beginn des Kriegesmit dem Werdergewehr ausgerüstet, welches indessenwährend des Feldzuges vielfach nachgesandt wurde und so-mit späterhin häufiger zur Verwendung kam.

Die Französische Infanterie war in der erstenPeriode des Krieges, d. h. bis zur Vernichtung der eigent-lichen Feldarmee, durchweg mit dem Chassepotgewehrvortrefflich bewaffnet. Bei den Truppen der Bepublikherrschte eine grosse Mannigfaltigkeit der Ausrüstung:neben dem Chassepot- erscheinen zuerst das Tabaticre-gewehrvon sehr zweifelhaftem Werth" (Generalstabs-werk), auch Snider nach der Gattung und Schneider nachseinem Konstrukteur genannt, später besonders das Re-mington- und das Spencergewehr, endlich eine grosseAnzahl der verschiedensten Vorder- und Hinterlader, dadie Bewaffnung der Freisehaaren zum Theil aus den füreine Volksbewaffnung vorgesehenen, meist aptirten Vorder-ladegewehren, zum Theil aus eigenen Mitteln nachZufall und Laune geschah.

Die Deutsche Kavallerie führte Pistolen ver-schiedener Modelle und Zündnadelkarabiner, welcheletzteren dasselbe Geschoss wie das entsprechende Infanterie-gewehr, jedoch eine etwas geringere Pulverladung hatten.Die Französische Kavallerie war theils mit Chasse-potkarabinern, theils mit gezogenen Pistolen grossen

!) Vergl. Tafel A und Tabelle 1.

Kalibers, theils mit sehr langen Gewehren (AfrikanischeReiterei) bewaffnet.

Diesen Handfeuerwaffen reihen sich hinsichtlich derWirkung der Geschosse diejenigen Kartätschgeschützean, welche aus einem Bündel von Gewehrläufen mit einermechanischen Lade Vorrichtung bestanden. Zu dieser Kate-gorie gehörten die von den Franzosen in das Feld gestelltenzahlreichen Batterien von Mitrailleusen, canons ä ballesgenannt, deren 25 Läufe in der Minute bis 125 Patronenverfeuern konnten; auf Deutscher Seite kamen von Feuer-waffen dieser Art nur 12 Feldlgeschütze bei den Baye-rischen Korps im zweiten Theile des Feldzuges und auchdann nur selten zur Verwendung. Die Feldlgeschütze ver-mochten aus ihren parallel nebeneinander liegenden vierWerderläufen in der Minute im Maximum bis 400, imMittel bis 300 Schüsse abzugeben.

Bei den Handfeuerwaffen ist noch der Wallbüchsenzu gedenken, welche beiderseits bei Belagerungen bezw.Vertheidigungen fester Plätze zur Verwendung gelangten.

Der Hauptsache nach kann man bei den im Feldzugevorzugsweise geführten Handfeuerwaffen drei Konstruktionenunterscheiden:

1) Die alten Vorderlader bei den Pistolen der Kaval-lerie (abgesehen von den durch Freischärler event. ge-brauchten Gewehren); 2) die durch Aptirung in Hinter-lader umgeänderten, grosskalibrigen Gewehre (Tabatiere,Podewils), denen sich gewissermaassen das Zündnadelgewehranschliesst, dessen Langblei indessen wegen seiner Spiegel-führung ein wesentlich geringeres Kaliber besass, endlich3) die nach den Erfahrungen, welche man mit dem Zünd-nadelgewehr gemacht hatte, neukonstruirten kleiukalibrigenGewehre: Chassepot, Werder, Remington und Spencer.Die letztere Kategorie zeichnete sich ausser dem kleinenKaliber noch besonders dadurch aus, dass ihre Projektileeine gewaltige Geschwindigkeit durch verhältnissmässiggrosse Pulverladungen besassen und behielten.

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