Band IV.
Band IV.
III. Abschnitt: Physikalische Wirkung der Geschosse auf die Knochen.
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Dritter Abschnitt.Physikalische Wirkung der Geschosse auf die Knochen
erläutert
an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen
Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin.
Vorbemerkung.
Die Theorie über die physikalische Wirkung der Ge-schosse ist zum grossen Theil auf das Brgebniss angestellterScbiessversuche gegen Leichen und Thiere aufgebaut. DerKrieg übernimmt in gewissem Sinne die Ausdehnung desExperimentes in grossem Maassstabe auf den lebendenMenschen. Es ist deshalb von höchstem Interesse, zuuntersuchen, ob die während des Lebens entstandenenSchussverletznngen sich ungezwungen durch die oben auf-gestellte Theorie erklären lassen oder eine andere Deutungerheischen.
Die Beobachtungen drängen sich während des Kriegesauf einen kurzen Zeitraum zusammen; zum Sichten desBeobachteten fehlen zumeist Zeit und Gelegenheit; oftindessen werden die klinischen Erfahrungen unterstütztdurch die Möglichkeit exakter anatomischer Untersuchung.Für die genauere Erforschung in der Zeit der Ruhe bleibenoffenbar am verwertbarsten die Verletzungen des festenKnochengewebes, weil es am prägnantesten die Ver-änderungen bewahrt, welche das Geschoss direkt gesetzthatte.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass man nur verhält-nissinässig selten in der Lage ist, bei den während einesKrieges entstandenen Verletzungen alle die Momente zukennen, welche für die Beurtheilung der Geschosswirkungerforderlich sind und welche zum Theil wenigstens für dieDeutung des experimentell Gefundenen verwerthet werdenkönnen. Man ist meist auf die Betrachtung der Wirkungenangewiesen, welche die Präparate zeigen, und sieht sich garoft genöthigt, auf die bedingenden Momente lediglich Rück-schlüsse zu machen; es ist dadurch überreiche Gelegenheitzu Fehlschlüssen gegeben, welche nur durch möglichst genaueDarstellung des Befundes an wesentlichen Präparaten ein-geschränkt werden können.
Zu Grunde gelegt sind für die folgende Untersuchungdie Präparate der kriegs - chirurgischen Sammlung desFriedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin, deren Werth zahl-reiche genauere Angaben über den intra vitam und bei derSektion gemachten Befund erhöhen.
Ueber die Festigkeit und Elastizität der Knochen sinderst nach dem Feldzuge 1870/71 wichtige Untersuchungen
besonders von Rauber und Messerer angestellt. Aus den-selben geht hervor, dass die Widerstandskraft ausge-schnittener frischer Knochenwürfel gegen Druck (Rauber)parallel der Längsachse wesentlich grösser ist, als beiDruck senkrecht zu derselben, dass ferner die Druckfestig-keit spongiöser Knochen — wie zu erwarten — ganz erheb-lich geringer ist, als die der langen Röhrenknochen einesErwachseneu. Die Druckfestigkeit solcher Würfel betrugnach Rauber:
an, Oberschenkel { P lrallel zur Lä »gsachse 1680-2820 kg,
l senkrecht„ „ 1780
am Schienbein ( P arallel - - 1370-1740 ,
l senkrecht, , 1260
{ parallel „ , 1120—1382 „
an, Oberann J < 2765 «)•
| senkrecht „ „ 1137 kg
l (2275 U),
an der Subst spongiosa eines Lendenwirbels 65—95 kg.
Messerer experimentirte an ganzen Knochen, dabeiergab sich:
die Zugfestigkeit des Oberarms = 533 kg pro qcm,
, „ Oberschenkels = 674 „ „ „
Bei seitlichem Druck auf die Mitte der langen Röhren-knochen wurde der Knochen wie ein Schilfrohr zusaminen-gepresst unter Bildung ausgedehnter Längsfissuren; beiBelastungen in der Richtung der Längsachse erfolgte derschliessliche Bruch an den Gelenkenden, und zwar imMittel:
an der Klavikula bei Belastung mit 192 kg,.. , Ulna .. „ „ 240 „
, » Fibula „ .. „ 61 „
. , Tibia , , , 450—1650 kg,
„ dein Radius „ „ „ 334 kg,
, „ Femur (Schaft) „ , „ 756 ,
, „ , (Hals) ,. „ ,. 815 „
, „ Hörnerne , , .. 220—880 kg.
An den Wirbeln stieg die getragene Belastung imAllgemeinen mit der Grössenzunahme; die mittlere Belastungbis zum Bruch betrug:
an, vierten Halswirbel....... 260 kg,
, ersten Brustwirbel....... 350 „
„ zehnten „ ....... 610 ,
, fünften Brust- und Lendenwirbel . . 710 „
Als Elastizitätsgrenze für Biegung der langen Röhren-knochen wurde nahezu die Hälfte der Bruchbelastung fest-
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