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4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
Entstehung
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Band IV.

II. Abtheilung: Beschreibung der Präparate.

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XII. A 23.

Schussfraktur der rechten Tibia etwas oberhalb der Mitte.

Die Tibia ist in zwei Hauptfragmente und viele kleineSplitter zerschmettert, welche letztere, miteinander und mit demoberen und unteren Bruchstück durch nicht sehr reichliche Kallus-massen vereinigt, eine fast vollständige Konsolidation des Bruchesso zu Stande gebracht haben, dass die beiden grossen Bruch-stücke einen Winkel bilden, dessen Scheitel an der Fibula an-liegt. An der inneren Fläche ist ein fast thalergrosser Defekt,so dass hier die Markhöhle offen zu Tage liegt. Die Fibulaist ganz intakt und nicht mit der Bruchstelle verlöthet.

Heinrich Lehr von der 2. Komp., Grossherzogl. Hess.Garde-Jäg. Bats., verwundet am 18. August 1870. Tod am3. Dezember 1870 im Barackenlazareth Berlin.

Sektion: An der Frakturstelle eine ausgedehnte Wund-fläche, daneben mehrere Inzisionen. Venen der rechten Extre-mität gutartig thrombosirt. Diphtheria coli. Grosse Ab-magerung.

[B. L. d. T. F.]

XU. A 24.

Schussfraktur der linken Tibiadicht unterhalb der Mitte mit ausgedehnter Zertrümmerung.Am oberen Bruchstück, welches mit reichlichen Kallusmassenbedeckt ist, sind einzelne Fragmente in schiefer Stellung ziemlichfest angeheilt. Unteres Bruchstück bis zum Knöchel herab inseiner Totalität nekrotisch und namentlich an der äusseren undvorderen Fläche überzogen mit gleichmässig dicker Kallus-kapsel. Die Enden beider Bruchstücke sind nach der Fibulaherübergezogen und waren ursprünglich mit dieser durch Kallus-masse vereinigt (jetzt wieder getrennt), die Fibula selbst istnicht frakturirt, aber in der Höhe der Bruchstelle in grosserAusdehnung mit Knochenauflagerungen bedeckt, ausserdem istsie stark nach aussen gekrümmt.

Nicolai Wolf vom 1. Bat. 67. Französ. Inf. Regts., ver-wundet bei Metz am 14. August 1870. Tod am 12. No-vember 1870.

Sektion: Aeusserste Abmagerung. Chronische Diphtheritisund Follikularverschwärung des Dickdarms. Milztumor; Bron-chitis und Bronchipneumonia duplex.

[B. L. d. T. F.]

XII. A 25.

Schussfraktur der linken Tibia und Fibula dicht unterhalbder Mitte.

Ausgedehnte Zertrümmerung namentlich der Tibia. Ge-ringe Kallusbildung, keine Spur von Konsolidation, beginnendeNekrose an den Bruchenden der Tibia.

Karl Zaun vom Hannov. Jäger-Bat. No. 10, verwundet am7. Oktober 1870. Tod am 9. November 1870 im Baracken-lazareth Berlin.

Sektion: Vereiterung des linken Fuss-, rechten Hüft- undKniegelenks,beider Schulter- und Ellenbogengelenke. Thrombo-phlebitis der Vena vesicalis und Vena hypogastrica. Meta-statische Abszesse in den Lungen. Massiger Milztumor, allge-meiner Ikterus. Venen der linken Extremität sonst frei.

|B. L. d. T. F.]

XII. A 26.Schussfraktur der rechten Tibia.Das obere und untere Drittel fast intakt, während dasmittlere zertrümmert ist. Von der äusseren und hinteren WandSamtats-Bericlit über dip Deutschen Heere 1870/71. IV. Ed.

desselben sind nur noch wenige Fragmente vorhanden; dieinnere wird repräsentirt durch ein 19 cm langes, 4 cm breitesloses Knocheustück, welches mit dünneren und dickeren Lagenvon Kallus überzogen und aus mehreren grösseren und kleineren,durch die Knochenneubilduug ziemlich fest vereinigten Frag-menten zusammengesetzt ist.

Johannes März vom 1. Garde-Regt. z. F., verwundet am16. August 1870. Tod am 23. Oktober 1870.

Sektion: Umfangreiche, gangränöse Zerstörung am rechtenUnterschenkel. Knie- und Fussgelenk frei. Venen und innereOrgane intakt.

[B. L. d. T. F.]

XII. A 27.Schussfraktur der rechten Tibia.

Das Projektil hat die Kante der Tibia etwas unterhalb derMitte getroffen und dieselbe in vier Fragmente getheilt, einoberes, ein unteres und zwei den hinteren Umfang der Tibiaan der Bruchstelle einnehmende Stücke von etwa 10 cm Länge.Letztere beiden sind durch Knochenneubildung fest miteinanderverbunden. Ebenso scheinen die übrigen Stücke untereinanderdurch ziemlich reichliche Knochenauflagerung wenigstens stellen-weise fest vereinigt gewesen zu sein. Nekrotisch ist nur einkleines Stück des oberen Fragments. Die Stelle, wo die Kugelden Knochen getroffen hat oberes Ende des unteren Frag-ments, hintere Fläche ist durch Bleifärbung kenntlich, vonhier geht eine sehr feine zum Theil mit Kallus gefüllte resp.überdeckte Fissur nach abwärts und endet etwa 9 cm oberhalbder Malleolen.

J. Rosenthal, Unteroffizier vom 72. Inf. Regt., verwundetam 16. August 1870. Tod am 8. Oktober 1870 im Baracken-lazareth Berlin.

Wiederholte Blutungen aus der Wundöffnung. Aneurysmatraumat. art. tibial. post. Starke Verjauchung der Wund-gegend.

[B. L. d. T. F.J

XII. A 28.

Splitterfraktur der Tibia und Fibula dextra ungefähr

in der Mitte.

Spärlicher Kallus. Vorgeschrittener Demarkationsprozessan den nekrotischen Bruchenden.

Fr. Gräfe vom Kaiser Franz Garde-Gren. Regt. No. 2, ver-wundet am 18. August 1870. Amputirt am 17. Septeinberwegen Hospitalbrand in der Wunde. Tod am 1. Oktober 1870an Pyämie im Barackenlazareth Berlin.

LB. L. d. T. F.]

XII. A 29.

Splitterfraktur im mittleren Drittel der rechten Tibiaund Fibula.Reichliche Osteophytenbildung an den Grenzen der Splitte-rung. Mehrere kleine Sequester in der Ablösung begriffen;ein grösserer schon vollständig gelöst. Einzelne Fragmentemit Osteophyten im Stadium beginnender Konsolidation.

Das Präparat stammt von einem am 10. Juli 1866 Ver-wundeten. Amputirt am 30. Tage nach der Verletzung.Heilung.

[Stabsarzt Dr. Redecker, Kriegslazareth Kissingen.]

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