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Katalog der kriegs-chirurgischen Sammlung.
Band IV.
der Kortikalis umschliessen und theilweise bedecken, drei voll-kommen sequestrirte intra vitam extrahirte Stücke der Fibulasind dem Präparat beigefügt. Tibia im oberen und mittlerenDrittel, besonders an der äusseren und hinteren Fläche durchKaries und Nekrose rauh und durchlöchert.
Franz Rohr von der 12. Komp. 8. Rhein. Inf. Regts. No. 70,verwundet am 23. Dezember 1870 bei Amiens. Sequester-Extraktion am 20. Januar 1871. Tod am 8. Februar 1871 imBarackenlazareth Berlin.
Sektion: An der äusseren Seite, 5 cm unterhalb des Knie-gelenks eine Narbe, an der hinteren Seite eine 15 cm langeInzisionswunde, die auf rauhe Knochen führt. Jauchegängezwischen den Weichtheilen. Eitrige Periostitis der Tibia mitkonsekutiver Vereiterung des Kniegelenks. Eitrige Thrombo-phlebitis der Vena saphena, 5 cm über dem Kniegelenk begin-nend. Die Vena femor. gutartig thrombosirt. MetastatischeAbszesse der Lungen und der Milz.
[B. L. d. T. F.]
XII. A 17.Schussfraktur in der Mitte der linken Fibulamit starker Splitterung, wodurch ein 4 cm langes Stück voll-ständig zertrümmert ist. Am unteren Bruchende sind einigeKnochensplitter durch Kallusmassen angelöthet. UmschriebenePeriostitis an der hinteren Fläche der Tibia in der Höhe derFraktur.
Karl Below von 2. Komp Kaiser Franz Garde-Gren. Regts.No. 2, verwundet am 18. August 1870 bei St. Privat; amputirtam 10. November 1870 wegen Blutungen im BarackenlazarethBerlin. Tod am 14. November 1870.
Sektion: Ein scharfer Splitter der Fibula hat die Arteriaperonea angebohrt; allgemeine Anämie; starker Milztumor.Alte pleuritische Adhäsionen beiderseits, leichte interstitielleHepatitis.
|B. L. d. T. F.]
XII. A 18.Schrägfraktur der rechten Tibia,ungefähr in der Mitte von oben aussen nach unten innen ver-laufend. Splitterung und Fissurirung der hinteren Wand. Anden Rändern der Bruchenden sind minimale Partien der Kor-tikalis nekrotisch demarkirt. Keine Spur von Kallusbildung.Fibula intakt.
Karl Rehfeldt, Unteroffizier vom 26. Landw. Regt., ver-wundet am 21. Januar 1871 bei Beifort. Tod am 12. Februar1871 im Barackenlazareth Berlin.
Sektion: Zwei Schussöffnungen, eine hinten innen auf derHöhe der Wade, eine an der äusseren Seite in der Mitte desUnterschenkels. Ausserdem mehrere Inzisionen. UmfangreicheVereiterung der Weichtheile bis zur Achillessehne und zumKniegelenk, letzteres voll Eiter. Die eröffnete Markhöhle mitBlutgerinnsel und blutig rothem Brei gefüllt. Venen des Unter-schenkels gutartig thrombosirt, nur an einer Stelle der Femo-ralis mit Eiter gefüllt. Abszess zwischen Kehlkopf und Zungen-bein. Frische Endocarditis valvulae tricuspidalis, Lungenödem,schwacher Milztumor. In der Höhe des ersten Lendenwirbelsliegt ein haselnussgrosser Lymphsack, von dem viele Lymph-gefässe in das Mesenterium gehen. Er selbst und diese Kanälesind mit eiterartiger Flüssigkeit gefüllt. Der nach oben ab-gehende Ductus thoracicus ist mit einem kurzen, gelblichweissen Thrombus gefüllt, sonst leer. Wandungen glatt, Um-gebungen ohne Veränderung.
[B. L. d. T. F.]
XII. A 19.
Taf. L. Fig. 1.
Schussfraktur der rechten Tibia und Fibula.
Das Präparat zeigt die Fibula dicht unter dem Kapitulum
frakturirt, die innere Hälfte des Kapitulum abgesprengt. Der
Condyl. ext. tibiae zum grossen Theil zertrümmert, auch ein
grösseres Stück Kortikalis vom Schaft der Tibia ist abgesprengt.
Die Kontinuität der Tibia ist nicht unterbrochen. Man kann
an ihr den Schusskanal deutlich verfolgen. Von den Bruch-
flächen aus erstrecken sich Fissuren bis in die Gelenkflächen
der Tibia und Fibula. Das Präparat stammt aus dem Feldzuo
1866 und ist durch Amputation gewonnen.
XII. A 20.
Schussfraktur der rechten Tibia und Fibula.
Umfangreiche Zertrümmerung der oberen Hälfte der Tibiamit grossen, zum Theil nekrotisirten Splittern. Mehrere Sprüngein dem sagittal durchsägten oberen Bruchstück sind hier undda mit Kallusspuren gefüllt. Eine Fissur geht von vorn nachhinten fast durch die ganze innere Hälfte der Kniegelenkflächeder Tibia. Von der Fibula ist nur das fissurirte Köpfchenvorhanden.
Heinrich Schwager. [B. L. d. T. F.]
XII. A 21.
Taf. L. Fig. 2.
Lochschuss durch die obere Epiphyse der linken Tibia
mit Splitterung.
Eingangsöffnung auf der hinteren Seite. Keine Fissur bis
auf die Gelenkfläche, eingeheilte Splitter auf der hinteren Seite.
Die vorn und innen gelegene Ausgangsöffnung ist wesentlich
grösser als die Eingangsöffnung.
Das Präparat zeigt einen von der Eminentia intercondyl.aus durch den Schusskanal bis fast zur Mitte des Knochens ge-führten Sägeschnitt. Die nach aussen von demselben gelegeneKnochenpartie ist beim Sägen abgesprengt in einer vom Endedes Schnittes schräg nach unten und innen verlaufendenRichtung.
Soldat Soldansky, verwundet am 10. Juli 1866; biszum 8. August günstiger Verlauf, dann Fieber, wiederholteHämorrhagien, Schmerzen, septische Eiterung, daher Amput.femor. am 17. August 1866. Tod am 19. August 1866.
Sektion zeigte einen starken Muskelast der Art. popliteausurirt, die meisten Venen enthalten im Innern puriformeMassen; Abszesse in den Lungen, der Leber und Milz.
[Lazareth Kissingen, Stabsarzt Dr. Redecker.l
XII. A 22.
Schussfraktur der rechten Tibia und Fibulaziemlich genau in der Mitte. Periostaler Kallus ohne jedeKonsolidation. Zirkumskripte Nekrose der Kortikalis an denBruchrändern. Festlöthung einzelner Splitter.
Philipp Label, Musketier vom 4. Magdeburg. Inf. Regt.No. 67, verwundet am 24. Dezember 1870 bei Amiens; amputirtam 11. Februar 1871. Gestorben am 20. Februar 1871 imBarackenlazareth Berlin.
Sektion des entfernten Gliedes ergiebt starke Vereiterungdes Kniegelenks und der unterhalb desselben gelegenen Weich-theile. Venen intakt.
Das amputirte (untere) Segment des Oberschenkels fehlt.
[B. L. d. T. F.]
Vergl. X. A 104, den Amputationsstumpf und das Sektions-protokoll.