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Katalog der kriegs-ehirurgischen Sammlung.
Band IV.
Amputationen und Exartikulationen wegen Knie-schüssen.
(Hierzu vergl. 16, 54, 55, 56, 18, 20, 21, 28, 32, 33, 42, 10, 31, 64, 8,13, 23, 24, 39, X. A 2 und 72.)
XL A 54.
Amputatio femoris sinistri wegen Schuss ins Kniegelenk.Vom Femur ist zunächst der Cond. ext. vollkommen abgetrenntgewesen. Nach seiner "Wiederanfügung zeigt sich ein rinnen-förmiger Substanzverlust zwischen beiden Kondylen, entsprechendder Vertiefung zwischen ihnen, welcher durch die Eminentiaintermedia tibiae zum Kanal geschlossen wird. Von der oberenUmwandung der Rinne gehen fast symmetrisch nach obendivergirend zwei Fissuren, von denen die laterale den Cond. ext.7 cm über der Gelenkfiäche abgetrennt hat, während die medialenicht durch die ganze Dicke des Cond. int. geht; von letzteremsind an der Hinterfiäche kleine Stücke herausgeschlagen. DerTibiakopf ist vorn, nach unten und medianwärts von derEminentia intermedia halbkreisförmig eingedrückt.
Grenadier Karl Kammenski vom 3. Ostpreuss. Gren. Regt.No. 4, verwundet am 4. August 1870 durch einen Gewehrschuss.Die Kugel scheint das Kniegelenk in ganz sagittaler Richtungdurchsetzt zu haben. Amputatio femoris sin. 13 cm über demKnie am 27. August. Gestorben am 10. September 1870 anPyämie im Barackenlazareth Berlin.
Sektion: Die linke untere Extremität endet in einenAmputationsstumpf, dessen Oberfläche mit Granulationen bedecktist; der Femurstumpf ragt, von Periost entblösst, 7 cm lang ausden Weichtheilen hervor. Vena femoralis ist von der Am-putationsfläche bis hinauf zum Lig. Poup. mit puriformerFlüssigkeit gefüllt, ihre Wand gefaltet, von matter Färbung.Auch die Profunda ist an der Einmündungssteile in dieFemoralis ähnlich erkrankt, während ihr unteres Ende und alleHautvenen des Femur frei sind. Starke Anschwellung derlinken Inguinaldrüsen.
Metastatische Abszesse in beiden Lungen mit beginnendereitriger Schmelzung; Bronchien durchweg mit eitrigem Sekretgefüllt. Doppelseitige, eitrige Pleuritis. Milztumor.
[B. L. d. T. F.]
XL A 55.
Sekundäre Amputatio femoris dextri, 20 cm über demKniegelenk wegen Schuss ins Kniegelenk. Vom Cond. ext. fem.sind Theile abgesplittert und der vordere äussere Rand desCaput tibiae auf der rechten Seite gestreift; Patella fehlt; derKnorpel des Kniegelenks ist stellenweise rarefizirt (dabei einKugelfragment).
Franzose Dorleas, amputirt im Barackenlazareth Berlin1870.
XL A 56.
Amputatio femoris sinistri, 16 cm über dem Kniegelenkwegen eines Streifschusses des Cond. ext. tibiae et femoris.Ausgedehnte kariöse Zerstörung der Gelenkflächen.
Das Präparat stammt von einem im Feldzug 1870/71Verwundeten, Namens Dehme.
XL A 57.
Amputatio femoris dextri, 16 cm über dem Kniegelenk,wegen Schussfraktur des Cond. ext. fem., derselbe ist abgesprengt.Knorpelüberzug des Kniegelenks wenig verändert. Die Kugelwurde an der hinteren Fläche des Cond. ext. femor. bei derAmputation gefunden, ist aber nicht mehr vorhanden.
Marion Paquet vom 40. Französ. Linien-Regt., verwundet
am 6. August 1870 am rechten Oberschenkel. Amputation ara1. September 1870. Exitus letalis am 6. September 1870 imBarackenlazareth Berlin au Pyämie.
Sektion: Rechter Oberschenkel endet an der Grenzezwischen mittlerem und unterem Drittel in einen Amputations-stumpf, der mit schlechten Granulationen bedeckt ist und ansdem der etwa 2 cm von Periost entblösste Knochenstumpfzwischen den Muskelmassen hervorragt. Eitergänge am Ober-schenkel in die Höhe. Vena profunda und femoralis enthaltenpuriforme Massen, in der Iliaca commun. dextra lose Gerinnsel.Mehrere kleinere Abszesse in beiden Leberlappen.
[B. L. d. T. F.j
XL A 58.
Amputatio femoris sinistri. Condylus ext. fem. zum Theilabgesprengt und von zahlreichen Fissuren durchsetzt. Abspren-gung vom lateralen Rande der Patella.
Karl Noack vom Ostpreuss. Gren. Regt. No. 3, verwundetam 1. September 1870 bei Noisseville. Amputation am 19. Sep-tember 1870 im unteren Dritttheil. Die Kugel steckte imCond. ext. Erscheinungen der Gelenkentzündung traten erstam 8. September auf. Ausgang in Heilung.
[Oberstabsarzt Dr. Hochgeladen, 9. Feldlazareth I. Armeekorp>
in Les Etanges.j
XL A 59.
Sekundäre Amputation des rechten Femur nach Schuss insKniegelenk. Kniegelenksenden des Femur und der Tibia, RmvieFibulaköpfchen und Patella sind kariös. Der laterale Bandder Patella ist scharfrandig abgesprengt. An der unterenäusseren Partie des Cond. ext. fem. ein flach rinnenförmiger,an der oberen äusseren Partie des Cond. ext. tib. ein tiefergrubenartiger Defekt.
Das Präparat stammt von einem im Feldzug 1870/71 Ver-wundeten, Namens Latigon.
XL A 60.
Amputatio femoris dextri, 13 cm über dem Kniegelenk,wegen eines Streifschusses an der Aussenfläche des Cond. ext.fem. Es findet sich hier eine von vorn nach hinten in fasthorizontaler Richtung nicht ganz geradlinig verlaufende Schu«s-rinne von 1 bis 2 cm Breite. Von ihr aus gehen Fissuren nachder Gelenkfläche und in den Schaft. Patella und Tibia sindunverletzt, der Gelenkknorpel erhalten.
Johann Kohs vom 5. Rhein. Inf. Regt. No. 65, verwundetam 23. Dezember 1870 bei Amiens, amputirt am 9. Januar 1871.Ausgang in Heilung.
Bei der Operation fand man keine starke Eiterung in den"Weichtheilen, die Venen überall frei.
[B. L. d. T. F.]
XL A 61.
Amputatio femoris dextri wegen Zerschmetterung desrechten Kniegelenks durch Schuss. Die Kondylen des Femursind auseinandergesprengt. Caput tibiae auf der oberen äusserenPartie zertrümmert, im Uebrigen mehrfach tief fissurirt.
Ferdinand Friedet vom Oesterr. 8. Jäger-Bat., verwundetam 3. Juli 1866. Mit Verjauchung der Wade und Kniekehlevom 19. Juli von Liebau in Görlitz aufgenommen. 23. JuliAmputation des rechten Femur. 27. September 1866 Umgeheilt nach Oderberg evakuirt.
[Oberstabsarzt Dr. Toussaint, Lazaretb, Görlitz.]