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Pln.iikalioehe Wirkung der Geschosse.
Band IV.
thümliche Konstruktion zur Geltung zu bringen, also vor-wiegend bei den Schussverletzungen mit geringerer leben-diger Kraft — bezw. bei Tangentialschüssen, was ja inBezug auf den getroffenen Theil gleichbedeutend ist mitgeringerer lebendiger Kraft — wird man in der Lagesein, den Einfluss der baulichen Anlage, sei es des Ge-wölbes als Ganzes, sei es des einzelnen getroffenen Knochens,zu bemerken, und zwar bei einer Endgeschwindigkeit desbetreffenden Projektils bis etwa 250 m.
Sobald jedoch der Inhalt des Schädelgewölbes mitverletzt ist, darf die physikalische Bedeutung dieses Theilsdurchaus nicht vernachlässigt werden, mag er auch seinerWeichheit wegen bei geringer Geschwindigkeit der Ge-schosse keinen messbaren Widerstand setzen und keine nach-weisbare Einwirkung auf die Verletzung ausüben. (Es wirdhier selbstverständlich abstrahirt von der Bedeutung derGehirnverletzung quoad vitam) Eine nachweisbare Ein-wirkung des Gehirns auf die Schussverletzung des Schädelsals Ganzes macht sich erst bei Geschossendgeschwindig-keiten über 250m geltend, um bei den höheren End-geschwindigkeiten enorm zu steigen; endlich verschwindetdie primäre Knochenläsion als solche, wie sie Schiessversuchegegen leere Schädel sichergestellt haben, vollständiggegenüber der gewaltigen Kraft, welche durch die Geschossemit höchster Propulsion in dem feuchtigkeitsreichen Inhalteerzeugt wird; aber es ist unstatthaft, die physikalische Be-deutung der Knochenhülle in solchen Fällen ausser Achtzu lassen (vergl I. A 11 und I. A 18, Taf. IV. 2).
Die hohe Elastizität der Schädelhöhle als Ganzes istdurch zahlreiche Versuche unzweifelhaft erwiesen. 1 ) Die Be-deutung der erzeugten Formveränderungen und Schwingungengeht zur Genüge hervor aus Darstellungen, welche tödt-lichen Ausgang ohne besondere Knochenläsion, geschweigedenn ohne direkte durch das Projektil gesetzte Gehirn-verletzung beschreiben (vergl. Rust). Die Elastizität desSchädelgewölbes war in solchen Fällen gross genug, esnicht zu einer nachweisbaren Trennung der Knochenkommen zu lassen, — die energische Mittheilung derSchwingungen auf das eng anliegende Gehirn erhelltaber aus der Thatsache des tödtlichen Ausgangs. Vorzugs-weise sind es stumpfe, breit bezw. tangential auftreffendeProjektile, welche derartige starke Schwingungen veran-lassen. Es erscheint fraglos, dass es durch derartigeSchwingungen bei der so sehr wechselnden Stärke derSchädelknochen verhältnissmässig leicht zu Fissuren, be-sonders auch den indirekten, kommen kann und gelegent-lich kommen muss, ebenso, dass der Sitz dieser Fissurenlast ausschliesslich durch den schwächeren oder stärkerenBau einzelner Partien bestimmt wird. Es wirkt in solchenFällen vorwiegend die knöcherne Schale (v.Wahls „elastische
') Vergl. v. Bergmann, Lehre von den Kopfverletzungen;v. Wahl in Volkmanns klinischen Vorträgen, No. 228, und Tiling,Petersburger medizinische Wochenschrift 1880, No. 50, S. 411 u. 412.
Ilohlkugel"), welche in einem der Flugrichtung entsprechendenDurchmesser (Knochenring) zusammengedrückt, also verkürztwird, während der zu jenem senkrecht verlaufende Durch-messer (Knochenring) eine entsprechende Verlängerungerfährt, wodurch endlich ßerstung erfolgt.
Auf der andern Seite fanden Experimentatoren undKliniker die gewaltigsten Zerstörungen des Schädels durchkleine Projektile, welche sich ganz und gar nicht durchdie knöcherne Anlage allein erklären liessen. Mag manauch nachgeben, dass die indirekten Frakturen nach SchuaiVerletzung nur als Berstungsfissuren auf Rechnung derFormveränderung des Schädels ganz allein — was wahr-scheinlich nicht der Fall ist — kommen, niemals wirdman dadurch allein das beobachtete Herausdrücken ali-gelöster Theile erklären können. Das Letztere ist nurdurch iutrakranielle Druckerhöhung zu deuten. Jedenfallswirkten bei den hohen Graden von Zertrümmerung, wiesie Geschosse stärkster Propulsion ergeben, vorwiegenddie Kräfte, welche solcherweise ausgestattete Projektilein dem Inhalt der Schädelhöhle erzeugt halten; die primäreKnochenläsion tritt völlig zurück, aber sie darf nicht ver-nachlässigt werden.
Ein ganz besonderes Interesse haben stets die isolirtenBrüche der Lamina interna der Schädelknochen hervor-gerufen, welche in Teevan ihren physikalischen Erklärerfanden. Ebenso wie die Lamina int. gelegentlich alleinbricht, wenn Gewalten den Schädel von aussen treffen,kann ein isolirter Bruch der Lamina ext. erfolgen, sobalddie Gewalt von innen her wirkt. Es ist also nicht dieSprödigkeit der Vitrea, welche derartige Verletzungen be-dingt, sondern es erfolgt der Bruch zunächst und am aus-giebigsten an der Stelle der grössten Biegung, ähnlich wiebei einem über das Knie gebogenen Stabe (vergl. I. A 19,Taf. IV. 3).
Die Sammlung besitzt in dem schon früher beschriebenenPräparate I. A 2 (Taf. I. 1) (Preusse, am 3. Juli 1866verwundet, also vermuthlich Oesterreichisches Projektil) einausgezeichnetes Beispiel eines isolirten Bruches der Tabulaint., bei einer haarfeinen Fissur der Lamina ext.
Präparat I. A 1 zeigt in eklatanter Weise, wie sehrder Schusseffekt abhängig ist von dem Bau des Knochens:ein Projektil (Art ?) hat, wie einige eingebogene KnochenStückchen zeigen, direkt hinter dem linken Ohre tangentialvon oben nach hinten unten auftreffend, den grössten Theildes Proc. mastoid. fortgerissen, so zwar, dass nur wenigeZellenbälkchen die papierdünne Lamina int. noch schützen.Die letztere ist vollkommen unverletzt; die zarten Bälkchender Warzenfortsatz-Zellen vermochte das Geschoss nochzu zerstören, aber es blieb jede Spur einer Wirkung aufdie Umgebung aus, da die Bälkchen den Stoss gleichsamauffingen. Die lebendige Kraft des Projektils war jeden-falls nur gering, da am Rande des rinnenartigen Defektesvon etwa 3 cm Länge und l'/zcm Breite noch einigedünne Lamellen einwärts gebogen festhaften.
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