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4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
Entstehung
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Band IV.

Band IV.

III. Abschnitt: Physikalische Wirkung der Geschosse auf die Knochen.

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III. Schussverletzungen der platten Knochen

(mit Ausnahme des Schädels).

Die gewaltigen Unterschiede, welche sich in dem Baueder einzelnen platten Knochen im Ganzen sowohl, als auchan Theilen derselben finden, machen es erklärlich, dassauch hier durchaus verschiedene Aeusserungen der Goschoss-wirkung zu Stande kommen.

Ueberall, wo es sich um einen platten Knochen handelt,welcher fast nur aus Kortikalis besteht, ohne jede oder dochohne beträchtlichere Einlagerung spongiöser Substanz, bezw.einen Bau besitzt, welcher demjenigen der Epiphyse analogist mit ihrer schwachen Kortikalis und sehr reichlichenSnbstantia spongiosa, überall da lassen sich auffallend ähn-liche Wirkungen beobachten, wie bei den einzelnen Ab-schnitten der langen Röhrenknochen, nicht dieselbenWirkungen, da ja sehr viele andere physikalische Verhält-nisse, welche von höchstem Einflüsse auf den Geschoss-effekt sind, absolut verschieden bei den Röhren- und denplatten Knochen sind; es sei nur an die verschiedene Artder Einfügung im Körper, an die Elastizität des starkenRöhrenknochens etc. erinnert.

Selbstverständlich machen sich auch bei den plattenKnochen die individuellen Verhältnisse sehr bemerklich.Es kann nicht gleichgültig sein, ob ein Knochen an ge-wissen Stellen des Schädels und der Darmbeinschaufel fastpapierdünn und völlig durchscheinend ist, wie z. B. beiPräparat VJII. A 7, 13 (Taf. XXI. 2) und 19, nur gebildetdurch die dünnen Blättchen der Kortikalis, oder ob dieseselbige Stelle absolut nicht durchscheinend ist und dieKortikalisblätter eine dicke Schicht spongiöser Substanzzwischen sich fassen, wie bei VIII. A 10 (Taf. XX. 1). 12(Taf. XXI. 1) und 18 wohl vermerkt bei ziemlich gleicherGrösse der Schaufeln (vergl. auch I. A 20 und I. A 12).

Am meisten Aehnlichkeit mit den Schussverletzungender Diaphysen bieten diejenigen des Unterkiefers und desSchulterblattes, letzteres allerdings nur in dem flächenartigausgebreiteten Theile; ein Fingerzeig, dass für die grosseNeigung zu ausgedehnter Fissurirung und Splitterung dieSprödigkeit", welche der Bau ohne Substantia spongiosabedingt, wohl vorwiegend verantwortlich gemacht werdenmuss.

Den Uebergang zu den rein spongiösen Knochenden Wirbelkörpern mit Ausnahme der oberen Halswirbel,den Darmbeinschaufeln, Hand- und Fusswurzelknochen, so-wie dein Brustbein, Knochen also, welche ihrem anatomischenBaue nach eine sehr grosse Aehnlichkeit mit den dickenEpiphysen haben bilden etwa die Rippen, das Schlüssel-bein, die Fortsätze des Schulterblattes, endlich die Bogenund Fortsätze der Wirbel (Körper der ersten Halswirbel).

In Betreff der theoretischen Erörterungen wird aufdas früher Ausgeiührte verwiesen.

A.DieKontusionen der glatten und spongiösen Knochenkommen sicherlich sehr viel häufiger vor, als es die Zahlder in der Sammlung vertretenen Exemplare vermuthenlassen könnte: weitaus der grösste Theil einfacher Kon-tusionen gelangt wohl zur Heilung; vielleicht ist auchfür die Seltenheit der Präparate die Schwierigkeit derAuslösung dieser Knochen und die zumeist damit ver-bundene starke Entstellung der Leiche verantwortlich zumachen.

Präparat VIII. A 1 zeigt eine Kontusion der linkenDarmbeinschaufel, wahrscheinlich durch Chassepot, da dieVerwundung am 18. August 1870 einen Preussen betraf.Das Projektil hat, schräg aufschlagend, die äussere Wandan ihrer nach hinten aussen gerichteten Konvexität ge-troffen und scheint, am Knochen rikochettirend, die Hautbald wieder verlassen zu haben. Die Lamina ext. ist inAusdehnung von ca. 1 qcm etwa um 1 mm eingedrückt undzeigt einige kurze, schmale Fissuren nebst kleinen, deutlicherkennbaren Bleieinpressungen.

Sehr interessant ist der Befund an der inneren Fläche,welche zwei feine Fissuren von 5 bezw. 2 cm Länge zeigt,deren längere etwa in ihrer Lage der Auftreffstelle ent-spricht, während die kürzere, welche weiter nach hintenzu in der Flugrichtung liegt, sich 12 cm davon entfernthält. Die Dicke der Substantia spongiosa beträgt auf derzwischen beide Fissuren gelegten Sägefläche 7 mm; eineZerstörung derselben ist nicht wahrzunehmen, wenigstenserscheinen die Bälkchen der Spongiosa intakt, obschonsich eine Nekrose zwischen beiden Fissuren zu markirenbegonnen hat. Die Entstehung der Fissuren ist höchst-wahrscheinlich auf dieselbe Weise zu erklären, wie die-jenige der später zu besprechenden Frakturen einer Schädel-platte, durch Bruch an Stelle der grössten Biegung, wieein Sägeschnitt durch die deprimirte Stelle lehrt, wo dieSchwamuisubstanz in der Richtung zu den Fissuren hinsklerotisirende Veränderungen zeigt. Die Dicke der Tab.ext. beträgt an der Sägefläche zwischen den Fissuren12 mm, die der Tab. int. 0,51,0 mm, an dem durch dieAuftreffstelle gelegten Sägeschnitte 24 mm (Sklerose)bezw. 1 mm.

Es sei gestattet, hier der nahen Verwandtschaft wegensofort das Präparat I. A 2 (Taf. I.) anzuschliessen: Amrechten Seitenwandbein, ca. 1 cm hinter der Sutura coron.,ca. 2 cm seitlich von der Sut. sagittalis, hebt sich eineetwas über 3 cm lange, 0,31,2 cm breite, durch eine De-markations-Rinne" umschriebene weissliche Stelle desSchädelgewölbes ab, welche etwa in ihrer Mitte eine feine,kurze, aus zwei Schenkeln bestehende und noch eine 3 nunlange, eben noch erkennbare zweite Fissur zeigt. Ent-