Band IV.
Band IV.
III. Abschnitt: Physikalische Wirkung der Geschosse auf die Knochen.
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unregel-
tungen, welche in den letzten Kriegen gemacht sind. Fürdie Analyse der hochgradigeren Splitterbrüche bleibt mandeshalb stets auf die durch das Experiment gewonnenenResultate angewiesen. Dieselben sind jedoch, wie früherauseinandergesetzt, verschieden je nach der Art der Waffeund des Geschosses und nach der Entfernung, in welchergeschossen wird; ohne die Kenntniss dieser Faktoren istdie Deutung eine unsichere.
Wenn es ungeachtet der hervorgehobenen Schwierig-keiten unternommen wird, in eine Besprechung der obenerwähnten Präparate einzutreten, so kann es sich nichtum eine genaue Grössenbestiinmung der Einwirkung diesesoder jenes Faktors handeln, sondern nur darum, ob über-haupt und aus welchen Gründen zweckmässig und zwang-los die eine oder die andere Entstehungsart im gegebenenFalle anzunehmen ist.
In Präparat X. A 18 hat das Projektil mit mittlererGeschwindigkeit die Diaphysc tangential getroffen; dieGeschwindigkeit muss noch ziemlich bedeutend gewesensein, weil das Geschoss die Kraft hatte, direkt einen Sub-stanzverlust zu setzen; die Endgeschwindigkeit kann aufder andern Seite nur annähernd an 250 m betragen haben,weil wir sonst mit grosser Sicherheit erwarten müssten,dass sich die Zeichen hydraulischer Pressung bei der breitenEröffnung der Markhöhle in erkennbarer Weise geltendgemacht hätten. Die Kontinuität des Knochens ist abererhalten und nur in der Flugrichtung des Geschosses sindSplitter ausgeschlagen.
Eine Wirkung nach allen Seiten hin sieht man beiPräparat X. A 51, hinsichtlich dessen Entstellungsart be-kannt ist, dass das Projektil nach Erzielung der bedeuten-den Zerstörung noch Kraft genug besass, das Glied zuverlassen. Man ist genöthigt, bei diesem Präparat die Mit-wirkung des hydraulischen Druckes anzunehmen, weil sichdie Zerstörung — am stärksten allerdings in der Flug-richtung — an der ganzen Zirkumferenz des Knochenszeigt.
Aus der bedeutenden Fissurirung, welche von dem imAllgemeinen scharfen Einschüsse ausstrahlt uud welche sichganz und gar nicht durch eine Keilwirkung, sondern nurdurch eine vis a tergo erklären lässt, kann weiterhin ge-schlossen werden, dass das Projektil mit einer zur Er-zeugung hydraulischen Druckes notwendigen Endgeschwin-digkeit aufgetroffen ist.
Präparat X. A 52 bietet sodann ein sehr lehr-reiches Beispiel hydraulischer Pressung. Trotzdem derEinschuss sich fast an der Grenze der Markhöhle derDiaphyse befindet, wo sich die in der Konfiguration derDiaphyse liegenden Momente — Markhöhle und harteKortikalis — sehr viel weniger geltend machen können,sehen wir eine kolossale Zerstöruug des Knochens, einevollkommene Sprengung, wie sie nur ein mit sehr hoherlebendiger Kraft ausgestattetes Geschoss bewirken kann.Die eigenthümlich stumpfwinkligen Begrenzungen der
zahlreichen Splitter und der Defekte, die sich nicht etwanur nach unten zur Epiphyse hin, sondern gerade auchoben an der Diaphyse finden, scheinen auch direkt zu be-weisen, dass die Splitterung vorwiegend durch Ilöhlen-pressung erfolgt ist und ferner, dass die Vermehrung desinkompressibeluMarkinhaltes so rasch bewirktwurde, dass dieeigenthümliche Struktur des Knochens nur sehr beschränktzur Geltung kommen konnte: die Kleinheit der Splitter,ihre auffallende Form, das Fehlen weiterer Fissuren an derDiaphyse. Die Absprengung aus der Dicke der Lineaaspera erscheint sehr charakteristisch: dieselbe bildetdie Fortsetzung eines Splitters, welcher zum grossen Theilean der Bildung des Einschusses Antheil hat; dieser Splittermuss ebenso wie sein in gleicher Lage befindlicher Nach-bar nach hinten, d. h. der Schussrichtung entgegen, abge-hoben sein und zwar mit grosser Gewalt, — das Letztereerhellt daraus, dass das Stück aus der im Präparate sehrstark entwickelten Linea aspera nicht mehr an dem Splitter— dessen direkte Fortsetzung es bildete — festhaftet,sondern späterhin noch gebrochen wurde. Die Fissur nachunten durch die Fossa intercondyl. ist in der Richtung desgeringsten Widerstandes erfolgt, in der Linie, welche wir(vergl. S. 20) als charakteristisch lür die Schussverletzungendieses intermediären Raumes schon hervorgehoben hatten.An den Splittern des 15 Tage nach der Verletzung durchAmputation gewonnenen Präparats findet sich keine Spurvon Heilungsvorgängen, welche das obere Femur-Fragmentschon sehr deutlich zeigt.
Die kriegs-chirurgische Sammlung besitzt unter denSchuss-Splitterbrüchen eine grössere Anzahl von Präparaten,bei welchen die Annahme einer Mitwirkung der hydrau-lischen Pressung erforderlich erscheint: starke Splitterungin der unregelmässigsten Form, Herumschleudern derSplitter — durch Kallus fixirt und deshalb auch in diesenPräparaten noch nachweisbar — nach allen Richtungenhin, die innere Fläche häufig nach aussen gekehrt, quergestellt zur Längsachse u. s. w.
Oefters findet sich an den Präparaten keine Spur derEinschussöffnung mehr, weder an den Splittern, noch denFragmeuten. Der Nachweis einer Einschussöffnung erscheintfür das event. Bestehen hydraulischer Pressung unwesent-lich, weil bei den höchsten Graden der Sprengung derKnochen wohl so zertrümmert zu denken ist, dass derNachweis des charakteristischen Kreissegments nichtmehr gelingen kann; hinzu kommt übrigens bei denPräparaten der Sammlung, dass viele bereits mehr oderweniger bedeutende sekundäre Veränderungenwelche wohl hier und da dem Auge eine sonst nachweis-bare Einschussstelle verdecken mögen.
Eine rundliche oder überhaupt markirte Ausschuss-öffnung sehen wir bei keinem einzigen Diaphysen-Präparate,ebensowenig eine rundliche, völlig geschlossene Eingangs-öffnung.
Hierher gehörige Präparate sind: IV. A 22, 31, 38,