Druckschrift 
4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

Band IV.

Geschossedurchausls ist der311 Röhren-1 von deiu-:alsubstanzssen dein-

Geschoss-nen dieserLlieile der

stab- undeiliger ge-

feuchtem,

ist, ganzchütterung

Knochen,

dort ver-

liöhle, um-

leistendenewebe dern Substanzbeschränktberwundenkung sindSplitterung

iisswirkungPräparaten

IV. A 21X. A 37

L A 8, 57,ate zeigenurirung.

IV. A 7,;n. A 45,

XLIX. 2),

msatze dergesprochenihyse nichtEpiphysen-e mit Markvon koni-ung besitzt^durchsägteilinie; manillkommene>n der Epi-K. A21.hen be-en Raummgiöser zu,ztere eine

Band IV.

III. Abschnitt: Physikalische Wirkung der Geschosse auf die Knochen.

21

Markhöhle umschliesst, kombiniren sich die Aeiisserungender Geschosswirkung: zur Diaphyse hin Splitterung undreichliche Fissurenbildung, zur Epiphyse hin mehr lokali-sirte Wirkungen (XI. A 2 und 35).

Mehrere Präparate der unteren Femur-Epiphyse undder beiden allerdings mehr der oberen Tibia-Epi-physen demoustriren in exquisiter Weise die keilförmigeWirkung der Geschosse, besonders wenn das Projektilziemlich die Mitte der A'order- oder Hinterflächc getroffenhatte: Die Knorren sind auseinander getrieben und öftersvöllig auch nach obenhin gelöst durch Sprünge, welcheim Allgemeinen nicht lange in der Läugsfaserung derKnochendiaphyse verlaufen, sondern zumeist sehr baldseitwärts, und zwar etwa an der Grenze der chirurgischenDia- und Epiphyse abbiegen.

Das plötzliche Abbiegen scheint besonders dann zuStande gekommen zu sein, wenn beginnende hydraulischeWirkung sich mit sonst ausgesprochener Keilwirkung kombinirte, ein Vorgang, welcher ziemlich häufig beachtet werdenkann. Nur bei den noch hierher gehörigen PräparatenXI. A 35 und XI. A 6 (vergl. Doppelfraktur) finden sichgrossere Fissuren bis weit in die Diaphyse hinein: Bei

XI. A 35 fehlt von dem Condyl. ext. feinoris ein Stückvon Halbhühnerei-Grösse; 7 cm unter der Gelenkfiäche derTibia, deren äusserer Knorren nach hinten zu in 6 cmBreite und 8 cm Länge abgesprengt ist, findet sich in einerscharf nach oben hin vorspringenden Spitze der der Fibulazugekehrten Kante eine kleine Menge weichen Bleies festeingepresst, so dass wohl anzunehmen ist, dass das Pro-jektil das gestreckte Knie von hinten oben nach vorn untenoder das gebeugte von oben nach unten hinten getroffenhat. Diese Richtung des Schusses im Verein mit derSprödigkeit" der Diaphyse erklärt wohl zur Genüge dievon dem Punkte der Bleieinpressung nach abwärts zur Cristatibiae ziehende Fissur von noch 8cm Länge. Vergl. XL A ], 4,5 (Taf.XLII.l), 7, 8, 13, 34, 38, 39 (Taf.XLVI.2), 61 und

XII. A 19 und 21 (Taf. L. 1 und 2) auch V. A 22.

In Betreff der Einschussöfthung an den Diaphysen seibemerkt, dass sich sehr häufig die Auftreffstelle der Pro-jektile durch ein grösseres oder kleineres Kreissegmentniarkirt, dessen Rand zumeist ziemlich glatt und scharfdurch die äusserste Schicht der Kortikalis gebildet wird;nach der Markhöhle zu vergrössert sich der Durchmesserdes Segmentes stets; es erscheint somit das Bild, welchesbei den Lochschüssen des Schädels so häufig beobachtetwird und früher fälschlich durch die grössere Sprödigkeitder Tabula int. gedeutet wurde. Davon kann bei denDiaphysen noch weit weniger die Rede sein.

An den Diaphysen kommt die Vergrösserung des Ein-schusses nach innen zu wohl in der Regel durch die Quer-schnittsvergrösserimg des Projektils zu Stande. Dieselbewird überdies noch stets durch die mitgerissenen Knochen-theilchen vermehrt. Bei dem Durchdringen der Weichtheileist im Allgemeinen die Querschnittsvergrösserung auch

weicher Bleigeschosse nur eine geringe; es geht dies un-zweifelhaft hervor aus der Grösse des Einschusses amKnochen, welche an den äusseren Kortikalschichten öftersfast vollkommen dem Geschosskaliber entspricht, trotzdemdie Projektile schon vorher die Haut und die dicke Mus-kulatur des Oberschenkels durchsetzt hatten. Die Quer-schnittsvergrösserung erfolgt vorwiegend natürlich erstbei dem Auftreffen auf harte Gebilde, am stärksten beider harten Kortikalis der Diaphyse, sehr viel wenigerstark bei dem Durchsetzen der Epiphyse. A r on sehr wesent-lichem Einfluss auf die Querschnittsvergrösserung der Pro-jektile sind neben der lebendigen Kraft (Geschwindigkeit)die individuellen Verhältnisse.

Bei einigen Präparaten scheint übrigens an der Ein-schussvergrösserung nach innen auch die grössere Exkur-sion der nach innen gelegenen Schichten der KortikalisTheil zu haben. In Präparat X. A 57 befindet sich amRande des Einschuss-Segments ein Splitter aus der Korti-kalis festhaltend; bei X. A 56 ist das Segment ganz dichtan der Kortikalis der äusseren Femurseite, welche durchdas Projektil gestreift und ihrer spärlichen spongiöseninneren Auskleidung beraubt ist; es findet hier eine Ver-grösserung nur nach oben innen hin statt und zwar durchAbsplitterung aus der Dicke der Kortikalis ganz analogden Schädelschussverletzungen. Dieselbe ist wesentlichanders, wie in vielen anderen Fällen, wo mehr eine gleich-massige, schräge Vergrösserung nach innen hin Platz greift,hervorgebracht in solchem Falle wahrscheinlich nur durchdas sich während des Durchsetzens des Knochens vornverbreiternde Projektil und den Knochengries. Uebri-gens finden sich vielfach an denselben Einschuss-Segmenteneine fast glatte, gleiehmässige und eine treppenartig durchAbbrechen kleiner Splitter bedingte Vergrösserung. Be-stimmend hierfür scheint in erster Linie die Geschoss-geschwindigkeit zu sein, sodann örtliches und individuellesVerhalten. Vergl. X. A 18, 51, 58 etc., IV. A 5; beiIV. A 54 findet gar keine Verbreiterung des Einschussesnach innen zu statt.

Bei solchem Unterschiede in der Geschosswirkung aufDia- und Epiphyse ist es zweckmässig, jede dieser Kate-gorien möglichst gesondert zu betrachten, wenn auch einegänzliche Trennung nicht durchführbar ist, da zuviel Ueber-gänge bei diesen räumlich zusammengehörigen Theilenstattfinden.

Wir unterscheiden:

I. Schussverletzungen der langen Röhren-knochen.

A. Ohne Unterbrechung der Kontinuität:

1) Kontusionen.

2) Rinnenschüsse, Absprengung von Kuochen-stücken und Vorsprängen.

3) Blinde Schusskauäle.

4) Lochschüsse.