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4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
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Physikalische Wirkung dei - Geschosse.

Band IV.

Band IV.

Y. Sprengkraft und Durchschlagskraft der Geschosse.

Das Verhältnis« zwischen Durchschlagskraft und Seiten-wirkung, d. h. Sprengkraft der Projektile anlangend, sowirken die einzelnen Faktoren der lebendigen Kraft nichtsärnuitlich in derselben Weise. Die Geschwindigkeit wirktbefördernd sowohl auf die Sprengkraft, als auf die Durch-schlagskraft. Die Sprengkraft ist aber erst möglich beibedeutender Endgeschwindigkeit der Projektile, um stetigmit Vermehrung der Endgeschwindigkeit zu steigen; dieDurchschlagskraft ist den Geschossen mit Rücksicht aufden menschlichen Körper zum Beispiel sehr bald ver-liehen.

Die Masse des Geschosses wirkt verschiedenartig; dieSprengkraft ist unabhängig von dem spezifischen Gewichte,mit dessen Zunahme die Durchschlagskraft gesteigert wird(vergl. S. 10), sie ist aber abhängig von dem auftreffendenQuerschnitt, mit dessen Vergrösserung sie wächst, da ledig-lich die Gewalt des ersten Anpralls für ihr Zustande-kommen entscheidend ist; bei gleichbleibender Geschwindig-keit und gleichem Geschossgewichte wird aber durch dieVergrösserung des Querschnitts, sei es mit oder ohneDeformirung der Geschosse, die Durchschlagskraft ver-mindert.

Bei den Geschoss-Endgeschwindigkeiten bis zu 250 mwird eine Seitenwirkung der Geschosse durch hydraulischePressung nicht mehr beobachtet; die Projektile beschränkenihre Wirkung auf den direkt getroffenen Theil, welchergemäss seiner Widerstandsenergie auf den Insult reagirt.Hier kommt der alte Satz zur Geltung, dass mit zunehmenderGeschwindigkeit ein um so schärferer und dem Querschnittedes auftreffenden Geschosses konformerer Defekt erzieltwird; es entstehen die sogenannten Locheisenschüsse. Diegetroffenen Theile werden durch die andringende Kugelherausgerissen und nehmen die Geschwindigkeit derselbenan, ohne dass eine Mittheilung an die Umgebung statt-findet. Die erzielte Wirkung muss aber bei derartig aus-gestatteten Projektilen äusserlich ganz verschieden aus-fallen, da sie ja durchaus abhängig ist von der Eigenartdes getroffenen Gewebes; sie muss sich ganz besondersverschieden äussern bei den mit hoher Elastizität aus-gestatteten Geweben einerseits und den verhältnissmässig

spröden Knochen andererseits, sie muss wesentlich ver-schieden sein auch bei denselben Geweben, je nachdemihre besondere Struktur und Elastizität zur Geltung gelangenkann. In solchen Fällen wird es auch zu einer Ablenkungder Geschosse durch das Gewebe kommen können; die-selbe wird um so leichter statthaben, je weniger leitendigeKraft das Projektil besitzt.

Es geht hieraus hervor, dass bei Endgeschwindigkeitenunter 250 m etwa Kernschussweite die modernenkleinkalibrigen Geschosse ungleich weniger schwere Ver-wundungen setzen müssen, als die früher beliebten vongrossem und mittlerem Kaliber. Diese Thatsache ist besondersvon Pirogoff und v. Langenbeck betont; der Erstere fandim Deutsch-Französischen Kriege die Bestätigung seinerschon 1847 gemachten Beobachtung, dass die Geschossemit kleinem Querdurchmesser öfters verhältnissmässig un-bedeutende Verletzungen setzten; v. Langenbeck und Anderekonstatirten, dass derartige einfache Schussverletzungenbesonders acquirirt wurden, wenn die feuernden Truppenbis gegen 400 Schritt auseinander standen; es ist dieseine Beobachtung, welche in vollkommenster Weise dieRichtigkeit der von Kocher experimentell gefundenenResultate bestätigt, da ja das Chassepotgeschoss in dieserEntfernung noch annähernd 250m Endgeschwindigkeit hatte.

Mit weiterer Abnahme der lebendigen Kraft alsofast proportional der Abnahme der Geschossgeschwindig-keit verliert das Projektil die Fähigkeit, die direktgetroffenen Theile aus ihrem Zusammenhang herauszureissen,es vermag nur noch dieselben zu erschüttern und ihnenvon seiner Bewegung mitzutheilen. Es entstehen die ver-schiedensten Formen der Quetschung, verschieden nachder lebendigen Kraft des treffenden Projektils, vorwiegendaber verschieden nach der Struktur des betreffenden Ge-webes. Je widerstandsfähiger dasselbe ist Knochen,um so breiter wird sich die Erschütterung mittheilen können;der eigenartige Bau der Gewebe kommt bei derartigenSchussverletzungen ganz besonders zur Geltung dieElastizität, Festigkeit, Spaltbarkeit u. s. w., Faktoren,deren hohe Bedeutung für den Schusseffekt wir hier erstgehörig studiren können.