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Physikalische Wirkung der Geschosse.
Band IV.
Band IV.
artige Beschaffenheit der Haut nicht in Frage kommenkann. Bei den früheren Spitzkugeln ist das Verhältnissim Grossen und Ganzen dasselbe, es wird nur eher zueiner Schlitzform des Einschusses mit geringem Defektkommen, da ja der nachdrängende Führungstheil der Kugelschon ein Loch in der Haut vorfindet, welches durch ihnohne weiteren Substanzverlust erweitert wird, sobald dieEndgeschwindigkeit nicht eine sehr bedeutende ist.
W«nn die Zunahme der lebendigen Kraft vorwiegenddurch die Vergrößerung der Masse erfolgt, gestalten sichdie Verhältnisse anders. Es kann in diesen Fällen dieStruktur der Haut sehr viel mehr zur Geltung kommen.Das Geschoss setzt nur verhältnissmässig geringe Substanz-verluste, die Haut zerreisst und zeigt wiederum den Quer-schnitt des Geschosses gleichsam auf sich abgebildet. Ver-mehrung oder Verminderung der Elastizität der Hautändert das Aussehen in derselben Weise wie oben.
Noch komplizirter gestalten sich die Verhältnisse beider Ausschussöffnung. Die Kraft der Projektile kann niemehr so gross sein, wie bei dem Einschuss; hinzu kommtdie Art der Deformirung, welche sehr gering und wiederumsehr bedeutend sein kann, ein event. Ueberschlageu etc.Es int möglich, dass auclf der Ausschuss ein getreues Bilddes Geschossquersehiiitts zeigt (vergl. Simon, Schussvv.,S. 36), doch dürfte dies wohl zu den grossen Seltenheiten
gehören und kann nur stattfinden bei noch sehr grosserlebendiger Kraft und beschränkter Hautelastizität (durchBedeckung oder Unterlage). Gewöhnlich zeigt uns der Aus-schuss mehr oder weniger gerissene Ränder mit geringemHautdefekt, indem das Projektil trichterförmig die elastischeHaut erhebt und zerreisst. Natürlich sehen wir am Ausschussfrischer Wunden niemals eine durch Pulverschleim bedingteRand Verfärbung, sondern höchstens die Zeichen starkerDehnung und Quetschung. Ein event. Ausbiegen derRäuder nach aussen wird lediglich durch den primärenund verbleibenden Elastizitätsgrad der Haut bestimmt.
Wenn das Geschoss hydraulische Pressung verursachthatte, so lichtet sich die Konfiguration des Ausschussesnach dem Grade und dem Orte (ob nahe oder entfernt)dieser Wirkung, sowie wiederum nach der Elastizität derHaut. Bei sehr energischem Drucke kann es in seltenenFällen zu grossartigen Hautdefekten kommen; in der Regelwerden mehr oder weniger ausgedehnte Zerreissungen be-wirkt, welche die Ausschussgegend ungefähr wieder bedeckenkönnen, wenn ein leichter Zug die durch die Elastizitätzurückgezogenen Hautstücke zusammenführt. Ein Heraus-hängen von Gewebstheilen wird hier, der Schussrichtungentsprechend, sehr viel häufiger als an der kleinen Ein-schussoffnunjr stattfinden.
III. Sprengwirkung".
(Hydraulische Pressung.)
Oben ist hervorgehoben, dass die lebendige Kraft derGeschosse zunimmt mit dem Quadrate der ihnen ertheiltenGeschwindigkeit.
Vor dem Kriege 1870/71 war die grosse Bedeutungder letzteren für die Beurtheilung der Wirkung auf dasZiel, den menschlichen Körper, kaum beachtet. Manwar deshalb überrascht durch Wunden mit kleiner Ein-schussöfluung und gewaltigster Zerstörung nach der Aus-schussöffnung hin, Wunden, welche man sich nur durchdie Anwendung explosibler Geschosse entstanden dachte,obgleich schon vor dem Kriege klinische Beobachtungen(Remond und Lorber bei Richter, S. 175) und Versuche(Sarazin, Gazette möd. de Strassbourg 1867, No. 18) geradefür das Ohassepotgewehr, durch welches diese überraschendenWirkungen besonders erzielt wurden, derartige Verletzungenkennen gelehrt hatten. Die Beobachtungen waren in ihrerBedeutung nicht gewürdigt, wohl hauptsächlich deshalb,weil sie ohne Erklärung geblieben waren. Erst nach demDeutsch - Französischen Kriege ergaben zahlreiche sorg-fältige Untersuchungen, dass solide Bleiprojektile im mensch-lichen Körper ganz gewöhnlich Sprengwirkungen hervor-
bringen, sobald sie nur mit hinreichend grosser Geschwindig-keit auftreffen. Bei geringster lebendiger Kraft bewegtdas Geschoss die getroffenen Theile in seiner Flugrichtungdurch Mittheilung seiner eigenen Bewegung, hat aber nichtdie Kraft, sie herauszureissen: mit zunehmender Geschwindig-keit bekommt es letztere Kraft und zwar auf einer gewissenHöhe so sehr, dass im Moment des Treffens die Theilchenherausgerissen werden und die Geschwindigkeit des Ge-schosses sofort selbst annehmen können. Bei noch höhererSteigerung der Geschwindigkeit kann dieses indessen nichtrasch genug geschehen, es überträgt sich ein grössererTheil der lebendigen Geschosskraft auch auf die Umgebungdes unmittelbar getroffenen Gewebes und von dieser Grenzean beginnt die Sprengwirkung (Kocher), deren beide Kom-ponenten die Erschütterung fester Gewebstheile und diehydraulische Pressung des Feuchtigkeitsgehalts der Ge-webe sind.
Die unterste Grenze ist bei einer Geschoss - End-geschwindigkeit von 250 m gegeben (Kocher). Die Ent-fernung, in welcher diese zur Erzielung der Sprengwirkungwenigstens nothwendige Endgeschwindigkeit noch besteht.
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