Band IV.
Band IV.
II. Abschnitt: Einwirkung der Geschosse auf den menschlichen Körper.
Zeichnung
Verhältnis» der Grösse der(Nach v.
bewegung kann aber nur bei sehr matten Kugeln durchGewebe des menschlichen Körpers erfolgen, wo von einergrösseren Erwärmung des Geschosses nicht mehr die Redesein kann. Wo eine Erwärmung, welche Verbrennungbewirken könnte, statt-findet, da ist die Geschoss-geschwindigkeit viel zugross, die Arbeitsleistungam Ziele wie am Geschossestets eine zu bedeutende,alsdass noch ein grössererUmsatz der lebendigenKraft in Wärme sich voll-ziehen könnte. Es er-scheint deshalb auch un-gereimt, eine Wasserdanrpfentwickelung im Körper durchdas erhitzte Geschoss anzunehmen.
Eine Erwärmung sehr massigen Grades der Körper-gewebe findet wohl statt. Abgesehen von der theoretischenWahrscheinlichkeit spricht vielleicht dafür die Beobachtungvon Busch (Langenbecks Archiv XVI, 33), welcher ausden Schasskanälen fettreicher Leichen einige Male flüssiggewordenes Fett abtropfen sah; für lebendes Gewebe liegteine derartige Beobachtung nicht vor, wohl ein Beweisdafür, dass die Erwärmung des lebenden, von strömenderFlüssigkeit durchsetzten Körpergewebes keine beträchtlichesein kann. Der öfter beobachtete, verbrannt aussehendeSaum an der Hautöffnung des Einschusses ist nicht alsVerbrennungserscheinung aufzufassen; derselbe findet viel-mehr seine Erklärung in der Elastizität der Haut, welchein dem Umkreis der verfärbten Stelle von dem Projektilegetroffen ist, aber vermöge ihrer Elastizität theilweise aus-weichen konnte, daher nicht mit dem Geschoss fortgerissenwurde, — analog dem von Busch unter gleichen Verhältnissenbeobachteten Saume in durchschossenen Gummischeiben.(Langenbecks Archiv, XVIII, S. 224 ff.)
Die Konfiguration der Schussöffnung in der Haut istvon Faktoren abhängig, welche wir wohl in jedem einzelnenexakten Experiment bestimmen können, deren Kenntnissuns aber im Ernstfälle gemeiniglich abgeht. Eine genauerePräzisirung ist deshalb selten und nur im gegebenen Fallemöglich; hier kann es sich nur darum handeln, die Ge-sichtspunkte allgemein anzudeuten, welche wir bei unsererDiagnose zu beachten haben. Vorzugsweise kommen inFrage seitens der Haut: ihre Elastizität, verschieden nachAlter, Ernährungszustand und augenblicklichem Verhalten,welches letztere durch Unterlage und Bedeckung, Spannungund Ort etc., Feuchtigkeit und Fettigkeit mannigfachmodifizirt wird; seitens der Geschosse: die Art des Pro-jektils (Form, Konsistenz), der Auftreffwinkel, endlich vorallem die lebendige Kraft, ganz verschieden- in ihrerAeusserung nach ihren Komponenten, der Masse oder derEndgeschwindigkeit. Alle diese Faktoren beeinflussen dasAussehen der Schussöffuungen; die Modifikation des einen
Einschussöffnung zum Auftreffwinkel.Wahl.)
oder anderen derselben verändert sofort das Bild. Eserscheint deshalb müssig, trotz der gewissen grossenAehnlichkeit der modernen Geschosse (cylindro-ogivaleSpitze, Langgeschosse etc.) Zahlenwerthe zu bringen, die
individuellen Verschieden-heiten sind zu gross.
Der auftreffende Quer-schnitt eines Geschosseswird um so mehr dieKonfiguration des Ein-schusses bestimmen, jegrösser die durch dieEndgeschwindigkeitgegebene lebendige Kraftder Projektile ist. (Vgl.Zeichnung 2.) Die Einschussöfi'nung wird bei senkrechtauf treffender Spitze rund und von der Grösse desGeschossdurchmessers sein in allen den Fällen, wo dieElastizität der Haut gar nicht bei der enormen Ge-schwindigkeit zur Geltung kommen kann. Grösser alsder Geschossdurchmesser kann der Einschuss nur dann— abgesehen natürlich von den Fällen, wo Hautfaltengetroffen sind und sich Kombinationen des senkrechtenund tangentialen Auftreffens linden — werden, wenner durch zurückfliegende Gewebstheile, z. B. Knochen-splitter der Tibia, in Folge hydraulischer, von innen nachaussen wirkender Pressung vergrössert wird. Selbstver-ständlich dürfen niemals die Verhältnisse, welche dieElastizität der Haut erhöhen oder schmälern, Spannungim Momente des Auftreffens, pralles Fettpolster und Mus-kulatur oder knöcherne Unterlage, eng anschliessendeKleidungsstücke etc., vernachlässigt werden. Mit demSinken der Endgeschwindigkeit wird der Einschuss rundlich,aber unregelmässiger und stetig kleiner, da immer mehrdie eigenartige Struktur der Haut hervortreten kann,welche vermöge ihrer Elastizität sich zu dehnen und aus-zuweichen vermag; schliesslich wird ein Moment kommen,wo der Einschuss kaum noch einen Hautdefekt zeigt undsich mehr einer schlitzförmigen Oeffnung mit mehr oderweniger nach innen gekehrtem zerrissenen Rande nähert.Die Umrandung des Einschusses zeigt gelegentlich eineVerfärbung, welche um so breiter wird, je weniger grossim Verhältniss zum Querschnitt des Geschosses der heraus-gerissene Ilautdefekt ist. Dieselbe ist gleichsam ein Ab-druck des Geschossquerschnitts und kommt zu Standedurch die Quetschung der Haut, bei unbekleideter bezw.nicht hinreichend bekleideter Haut auch durch Abstreifungvon Pulverschleim, welch letzterer aus dein nach vor-herigem Schiessen nicht gereinigten Gewehrlaufe stammt.Der Einschuss kann natürlich nur dann rundlich sein,wenn der Querschnitt des Projektils selbst rund ist. Des-halb werden alle tangential auftreffenden Geschosse auchniemals runde Einschussöffnungen zeigen; dieselben werdenvielmehr auch da elliptisch sein müssen, wo die eigen-