Band IV.
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Band IV.
II. Abschnitt: Einwirkung der Geschosse auf den menschlichen Körper.
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ichoss - End-. Die Ent-■engwirkungloch besteht,
ist selbstverständlich für jedes Gewehr- und Geschosssystemverschieden; für die zur Zeit eingeführten Gewehre dürftedieselbe etwa 400 m betragen, etwas weniger für daswährend des Krieges benutzte Chassepot.
Bei festen Widerständen, Glas, Metallscheiben, äussertsich die Seitenwirkuug der mit genügender Endgeschwindig-keit auftreffenden Projektile verhältnissmässig wenig —Kocher bezeichnet diese rechtwinklig zur Schussrichtungauftretende Seitenwirkung zum Unterschiede von der Er-schütterung in der Richtung der Flugbahn durch sehrschwache Projektile als Sprengung —, stark hingegen beiFlüssigkeiten.
Flüssigkeiten pflanzen in Folge der leichten Verschieb-barkeit der Theilchen jeden Druck, welcher auf einen Theilihrer Oberfläche ausgeübt wird, gleichmässig nach allenSeiten hin fort, so dass ein mit Flüssigkeit vollkommenangefülltes Gefäss von n Flächeneinheiten einen n mal sogrossen Druck auszuhalten hat, als er auf den Inhalt durcheinen Kolben von dem Querschnitte einer Flächeneinheitausgeübt wird. Der Druck kann gesteigert werden, bisdie inkompressible Flüssigkeit das Gefäss sprengt undsich so nach aussen einen Weg bahnt. Konnte dieFlüssigkeit während der Ausübung des Druckes ausfliessen,so wird eine derartige Zerstörung des Gefässes erst dannerfolgen, wenn der erzeugte Druck entsprechend verstärktwird oder so plötzlich eine Druckvermehrung stattfindet,dass die Flüssigkeit keine Zeit zum Ausfliessen, d. h. zueiner genügenden Druckausgleichung hatte, welche letztereauch durch Dehnbarkeit und Elastizität der Wand desGefässes bis zu einem gewissen Grade erfolgen kann.
Aehnliche, nicht dieselben, Verhältnisse treffen wiröfters im menschlichen Körper. Zahlreiche Gewebstheilehaben einen so bedeutenden Feuchtigkeitsgehalt, dass sieals leicht beweglich und inkompressibel — natürlich nichtin dem Maasse, wie die Flüssigkeiten — betrachtet werdenkönnen, so vor allem das Gehirn, das Knochenmark unddie Muskulatur, abgesehen von den mit Flüssigkeit gefülltenHolden, der Urinblase und dem Herzen. Erfolgt in solchenmehr oder weniger abgeschlossenen Gewebstheilen, derenStruktur dabei nicht vernachlässigt werden darf, das Ein-dringen eines fremden Körpers so schnell, dass keine Druck-ausgleichung auf den natürlichen Wegen durch die gegebenenZirkulationsverhältnisse, die Beschaffenheit der eifischliessen-den Hüllen etc., erfolgen kann, so kommt es zu einerDruckerhöhung, welche von einem gewissen Punkte anstark genug wird, um die Festigkeit und Elastizität derHüllen zu überwinden.
Den Nachweis, dass in der That in Höhlen desmenschlichen Körpers durch eindringende und mit ge-nügender Geschwindigkeit ausgestattete Geschosse eineDruckerhöhung stattfinde, hat in neuester Zeit Reger 1 )
l) Die zur Zeit noch ungedruckte Abhandlang des StabsarztesDr. Heger hat der Militär-Medizinal-Abtheilung des PreussischenKriegsministeriums im Manuskript vorgelegen.
durch manometrische Bestimmungen direkt geliefert, nach-dem vorher schon andere Experimentatoren auf andereWeise zu demselben Resultat gekommen waren. NachRegers verdienstvollen Untersuchungen fand bei Schüssen,welche Sprengwirkung erzielten, eine Druckerhöhung vonV/i bis 2'A Atmosphären statt. Besonders werthvollwaren vordem die exakten Versuche Kochers gewesen,welche im Verfolge der von Busch angestellten gemachtwurden. Er lieferte den Beweis der Entstehung hydrau-lischer Pressung durch vergleichendes Schiessen aufdieselben Substanzen (Körpergewebe) in trockenem undfeuchtem Zustande: dort beobachtete er verhältnissmässiggeringe Wirkungen, hier kolossale Zerstörungen, ent-sprechend denjenigen, welche er durch Schüsse auf reineFlüssigkeiten erzielt hatte. Rücker beschränkte sein»;Schiessversuche auf den Schädel und konnte einen wesent-lichen Unterschied konstatiren in der Wirkung, wenn dasGehirn nicht injizirt, also verhältnissmässig trocken war,und andernfalls, wenn er das Gehirn vorher injizirt hatte.
Wir können nach den angestellten Versuchen wohlschliessen, dass sich die hydraulische Pressung unter sonstgleichen Verhältnissen mit wachsendem Feuchtigkeitsgehalteder Gewebe stärker geltend macht. Von wesentlichstemEinflüsse bleiben dabei aber die Strukturverhältnisse dereinzelnen Gewebe.
Die Bedingungen für das Zustandekommen der hydrau-lischen Pressung und der durch diese erzielten Spreng-wirkung sind, abgesehen von der erforderlichen Geschoss-Endgeschwindigkeit, dort am günstigsten gegeben, woflüssigkeitsreiche Gewebe in Höhlen mit starren Wandungeneingeschlossen sind, welche sie völlig ausfüllen, so dasssie dem gewaltigen Stosse nicht ausweichen können, wiebei dem Gehirn, dem Rückenmark und dem Knochenmark(Höhlenpressung). Indessen findet die hydraulischePressung ebenfalls statt bei allen Weichtheilen des mensch-lichen Körpers und zwar um so stärker, je homogener inihrer Struktur und je reicher an Feuchtigkeit sie sind. Voneiner Einwirkung der Schmelzprodukte oder der Centri-fugalkraft muss hier abgesehen werden, da überhaupt beiWeichtheilschüssen keine Abschmelzung stattfindet. Ohneallen Zwang erklärt sich aber durch die Annahme des beigrosser Geschwindigkeit allseitig wirkenden hydraulischenDruckes die Beobachtung, dass öfters Gewebstheile ausder Einschussöffnung heraushängen, ja sogar herausge-schleudert werden bis weithin nach dem Schützen zurück.
Die hydraulische Pressung macht sich erst dann geltend,wenn die Geschosse in den betreffenden Raum oder dasGewebe eingedrungen sind, in welchem sie ihre Wirkungentfalten. Dass wir nicht in allen Fällen lochförmigeDefekte sehen, welche der Einschussöffnung entsprechen,erklärt sich durch die zu gewaltige Kraft des allseitigwirkenden hydraulischen Druckes, wie er ganz beson-ders bei den Knochenhöhlenschiissen entgegentritt, wennauf geringe Distanzen geschossen wird. Jede Untersuchung