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4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
Entstehung
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VI

Physikalische Wirkung der Geschosse.

Band IV.

Band IV.

IL Bedeutung der Erhitzung der Bleiprojektile.

Konfiguration der Schussöffnungen.

Durch zahlreiche Untersuchungen, welche besondersexakt von Busch und Kocher nach dem Deutsch-Französi-schen Kriege angestellt sind, ist es in der That erwiesen,dass unter gewissen Verhältnissen die Knochen desmenschlichen Körpers einen genügenden Widerstand bieten,um eine theilweise Erhitzung der Bleigeschosse bis zurSchmelzung zu bewirken.

Eine Abschmelzung der Bleiprojektile findet bei dengegenwärtig üblichen Gewehrsystemen aber nur dann statt,wenn die Geschosse mit voller lebendiger Kraft, wie siedie enormen Geschwindigkeiten von etwa 400 m verleihen,auf Knochen auftreffen. Bei den während des Deutsch-Französischen Krieges zur Verwendung gekommenen Hand-feuerwaffen war somit eine Abschmelzung überhaupt nurmöglich bei den Geschossen des Chassepot-^ 1 ) und deswenig benutzten Werdergewehrs, sowie endlich der Mi-trailleuse. Aber auch bei dieser bedeutenden Geschwindig-keit sind die Erscheinungen stattgehabter Abschmelzungsehr geringfügig, dieselben sind lediglich auf die auf-treffende Spitze der Bleiprojektile beschränkt und beiSchüssen auf die Epiphysen der langen Röhrenknochennur in geringster Menge und zweifelhaft, sicher erst nachdem Auftreffen auf die harten Rinden der Diaphysen nach-zuweisen. Die abgesprühte, oder besser abgestreifte dabei dem Durchsetzen der Gewebe von einem Absprühen,wie in freier Luft, wohl nicht gesprochen werden kannMasse, der Abschmelzungen beträgt in der Regel vielweniger als den 50steu Theil des Geschosses. Gelegentlichsind an Bleigeschossen und abgerissenen Stücken derselben,welche aus dem menschlichen Körper extrahirt waren,irisirende Farben beobachtet. Als Beweismittel stattge-habter Schmelzung können dieselben kaum angezogenwerden; die Bildung einer heterogenen Schicht auf frischerMetallfläche trifft auf so viele begünstigende Momente,Feuchtigkeit, erhöhte Temperatur bei unzersetztein Sekret,dasselbe und Schwefelverbindungen etc. bei zersetztemSekret, im Körper, dass es auffallend erscheint, wie nichtdie meisten extrahirten Bleigeschosse die irisirenden Farbenzeigen. Vermuthlich werden die heterogenen Schichtensehr bald zu dick.

Abdrücke und Streuungen der aufgetroffenen Geschoss-fläche sind lediglich durch die Weichheit des Bleis bedingt.Derartige Erscheinungen werden natürlich leichter auf-treten, wenn das Blei durch Erwärmung an Kohäsion ver-

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loreu hat, sie entstehen aber auch ohne vorherige Erwär-mung bei Weichbleigeschossen, z. B. bei Mauser M/71 stets,sobald man mit dem intakten Projektil rasch über eine rauhereFläche, z. B. Tuch, eine Tischdecke oder Teppich hin-streicht. Die Durchschnitte der Bleiprojektile, welche miteinem Messer oder knöchernen geglätteten Falzbein ge-macht waren, zeigten stetig eine parallele Streifung, be-dingt durch kleine Unebenheiten der schneidenden Fläche.

Bei fast allen Bleigeschossen, welche auf Knochengetroffen und denselben zerstört haben, sehen wir Knochen-partikelchen in die Auftrefffläche eingepresst, nicht etwaeingeschmolzen, da sicherlich alles, was am Geschoss ge-schmolzen ist, bei dem Durchsetzen der Gewebe einfachabgestreift wird. Uebrigens lassen sich ausserordentlich leichtKnochentheilchen in Weichblei (Mauser M/71) eindrücken. 1 )

Indessen hat diese Erhitzung, welche auch bei Weich-theilschüssen unter sonst günstigen Bedingungen erfolgt,ihre eigene grosse Bedeutung: sie bewirkt bei Geschossenaus weichem Metall mit wachsender lebendiger Kraft einezunehmende Disposition zur Deformirung, ermöglicht dasLosreissen von Partikeln und die Theilung der Bleipro-jektile durch verhältnissmässig geringe Widerstände, wiesie die meisten Körpergewebe gemäss ihrer Kohärenz dar-bieten. Dass aber auch Hartbleigeschosse im menschlichenKörper stärkere Deformirungen erleiden können, ergebendie Versuche von Küster, Kocher, Heppner, Garfinkel.

Trotz dieser gelegentlich bis zur Schmelzung ge-steigerten Erhitzung der Bleiprojektile bei ihrem Auftreifenauf den menschlichen Körper werden keine Verbrennungs-erscheinungen an den Wunden beobachtet, weil die ausser-ordentliche Geschwindigkeit der Projektile bei dem Durch-setzen des Körpers eine bedeutendere Mittheilung vonWärme an die Umgebung des Schusskanals verhindert,und die geringe Menge der feinen Schmelzprodukte sichauf eine sehr grosse Fläche hin vertheilt. Kann doch ge-schmolzenes Blei, ohne besondere Verbrennungserscheinungenzu bewirken, über dünnes trockenes Papier ausgegossenund ein Finger ohne Nachtheil verhältnissmässig langsamdurch eine Flamme hindurchgeführt werden. Eine Ver-brennung des Körpergewebes dürften wir wohl nur dannerwarten, wenn die erhitzten Geschosse plötzlich gehemmtwürden und am Platze der Hemmung im Körper liegenblieben. Ein derartiges plötzliches Aufhalten der Geschoss-

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!) Man kann sich leicht hiervon überzeugen, indem man einWeichbleigeschoss mit einer Kornzange fasst und damit auf dieSägefläche eines spongiösen Knochens (Epiphyse) schlägt; entsprechendder Gewalt des Schlages werden Knochentheilclien so fest in dasBlei eingepresst, dass man sie nicht abputzen kann.

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