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Physikalische Wirkung der Geschosse.
Band IV.
Band IV.
Grade dasselbe mit Bezug auf das Ziel. Der wesentlichsteFaktor der lebendigen Kraft der Geschosse bleibt aberstets die Geschwindigkeit.
Während des Deutsch-Französischen Krieges machtesich dieser Unterschied der Einwirkung grosser und kleinerGeschosse ganz besonders bemerklich. Das Tabatiere-geschoss war fast 7 mm im Kaliber grösser und 11gschwerer als dasjenige des Chassepotgewehrs; die aus-gedehntere Erschütterung durch das erstere Geschossmachte die Verwundeten nicht selten glauben, dass ihreWunden vergiftet seien.
Wesentlich anders gestaltet sich das Verhältniss, wenndasselbe Geschoss nicht mit seiner Spitze aufschlägt undhierdurch seine auftreffende Fläche vergrössert wird. Esgeschieht dies bei tangential auftreffenden Geschossen undvor Allem bei dem Queraufschlagen solcher Projektile,welche auf irgend eine Weise zu einer fehlerhaften Flug-bahn gekommen sind. Der Querschnitt der auftreffendenFläche ist in einem solchen Falle mit weniger Gewichtund Geschwindigkeit (v. Neumann) belastet, die Spitzeweniger günstig geformt: die Eindringungstiefe nimmtdeshalb mit der Abnahme des Auftreffwinkels ab; gleich-zeitig kommt der Widerstand des getroffenen Theiles mehrzur Geltung, indem ein grösserer Abschnitt desselbenWiderstand leisten kann. Ganz gewöhnlich ist die lebendigeKraft quer aufschlagender Geschosse überdies verringertgegenüber einem normal treffenden, weil der Luftwider-stand enorm bei unregelmässigem Geschossfluge wächstund die Geschwindigkeit rasch schwächt; ferner, weil beieinem eventuellen Aufschlagen der Kugel vor dem beob-achteten Ziele ein sehr grosser Theil der lebendigen Kraftverloren geht.
Aehnlich verhält es sich mit der. Erhitzung der Pro-jektile und der Hand in Hand mit derselben gehendengrösseren Disposition zur Deformirung, der dadurchbedingten Quersclmittsvergrösserung bezw. Kontinuitäts-trennung. Durch Wärmebildung und Deformirung im-Momente des Aufschiagens wird ein grosser Theil derlebendigen Kraft absorbirt, welcher natürlich nicht mehranderweitig verwerthet werden kann. Bei ruhendem Zielegiebt es nur eine Quelle, aus welcher die Wirkungenauf Ziel und Geschoss hervorgehen können, und dies istdie lebendige Kraft des Projektils. — In welcher Artjedoch die Vergrösserung des Querschnittes unter Um-ständen noch von Bedeutung für den Schusseffekt ist, wirdsich später ergeben.
Je weniger Bückwirkung das Ziel auf das treffendeGeschoss ausübt, um so intensiver wird im Allgemeinendie Wirkung der Kugel sein, soweit ihre Durchschlags-kraft — Dasjenige also, was durch die Kriegsgeschosseerstrebt wird — in Frage kommt. Deshalb ist es vongrosser Bedeutung, die Härte und den Schmelzpunkt desGeschossmaterials möglichst hoch zu wählen, da jede De-formirung des Geschosses eine Verminderung der lebendigenKraft in ihrer Aeusserung auf das getroffene Objekt be-dingt. — Vielfache Beobachtungen und Versuche habendie Richtigkeit dieser Annahme bestätigt. (Vergl. Pirogoff,Lesghierkugeln aus Kupfer; Stromeyer, Maximen; DasEisengeschoss der Preussischen Wallbüchse.) Wichtig sindbesonders die Versuche Küsters (Berl. klin. Wochenschr.1874, No. 15, S. 178 f.) mit Weich- und Hartbleikugeln.Das deformirte Weichblei (Mauser M/71) blieb häufig indem Körper des Schussobjektes (Pferd in seinen grösstenDurchmessern) auf 100 Schritt Entfernung stecken, währendein Ilartbleiprojektil (das Henry Martini-Geschoss, 12 TheileBlei und 1 Theil Zinn, Weygand S. 41) nur ein einzigesMal stärker deformirt im Knochen verharrte.
Das Weichblei hat ein grösseres spezifisches Gewicht,also grössere Querschnittsbelastung, welche bei der An-fertigung der Geschosse durch Prägung noch erhöht wird;es überwindet demgemäss leichter den Widerstand der Luft.Hinzu kommt die verhältnissmässig leichte Herstellung,sowie dass Weichblei leicht durch die Pulvergase gestauchtwird und deshalb die Züge gut ausfüllt. Das Hartbleihingegen, durch Zinn oder Antimonzusatz gewonnen, hatein etwas geringeres Eigengewicht und kann schwerergestaucht werden; es ist theurer und schwerer zu bearbei-ten, besitzt aber eine grössere Durchschlagskraft.
Kocher macht über gleich grosse Geschosse aus ver-schiedenem Metall die folgenden Angaben:
Gesehossgewicht
20,215,9
Vom Standpunkte des Kriegschirurgen kann die Ein-führung des Hartbleies nur mit Freude begrüsst werden;Geschossdeformirungen und Abreissungen grösserer Frag-mente sind seltener bei Projektilen aus Hartblei, als beidenen aus Weichblei.
Spez. Gewicht
Härte
Schmelzpunkt
Zinn 7,2
2,5
228°
Blei 11,3
1,6
325°*)
Kupfer 8,9
16,3
1090°
Eisen 7,7
—
1600°
Nach Koscoe, Chemie, 334° für chemisch reines Blei.
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