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Band IV.
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Band IV.
1. Abschnitt: Allgemein-Physikalisches.
III. Veränderungen der Gewehrprojektile vor dem Auftreffen auf das Ziel.
Die Langgeschosse der Gewehre erleiden im Laufeund nach dem Verlassen desselben mannigfache Aenderungen,welche ihre äussere Gestalt und Kohäsion betreffen. Natur-gemäss machen sich derartige Formveränderungen beiweichen Metallen, wie bei dem üblichen Blei der Hand-feuerwaffen, leichter geltend, als bei den härteren ausBisen (Zündnadel-Wallbüchse) oder Kupfer (Tscherkessen-kugeln) oder auch dem Zink (Preussische Kartätschen-füllung). — Man hatte früher bei den runden Kugeln deralten Vorderlader auffallendere Gestaltveränderungen seltengesehen, trotzdem verhältnissmassig so ausserordentlichhäufig Kugeln im Körper stecken blieben und der Be-trachtung zugänglich wurden. Die Beobachtungen häuftensich entsprechend der Verbesserung der Gewehre in denKriegen gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, gewannenaber erst mit Einführung der gezogenen Bohre und derdurch diese bedingten Lang- bezw. Spitzgeschosse grössereBedeutung und allgemeinere Würdigung. Man erkannte,dass, ganz abgesehen von der durch das Aufschlagen auf festeZiele bewirkten üeformirung, schon das nothwendige Hin-durchpressen der Projektile durch die Züge des Laufeseine Aenderung der ursprünglichen Form bedingt und dassdiese um so bedeutender ausfallen rnuss, je mehr das Ge-schoss durch Beifelungen oder Hohlräume — mögenletztere durch das Giessen im Innern entstanden sein oderals Expansionshöhlung bestehen — oder gar durch beideszugleich von einem glatten und massiven Bau abweicht undje weniger exakt in Bezug auf Härte und Glätte die Seeledes Laufes gearbeitet ist. (Krimkrieg und ItalienischerKrieg. Ueber die Deformirungen der Spitzgeschosse beiVorderladern durch die Stösse des Ladestocks vergl. Zech-meister, S. 21 und Taf. I, Fig. 35-38.)
Auf die Kohäsion der modernen Gewehrprojektilekönnen 1) Pulvergase, 2) Reibung im Laufe und an derLuft einwirken. Man hatte — wenigstens ärztlicherseits —bis zum Deutsch-Französischen Kriege diese Faktoren wenigbeachtet, jedenfalls nicht zum Versuche einer Erklärungder Bleigeschoss-Deformirungen mit verwerthet, obschonPirogoff eine Erwärmung des Geschosses durch die Reibungdesselben an der Luft angenommen hatte; auch durch diezahlreichen Untersuchungen, welche nach dem Feldzugeangestellt sind, ist zur Zeit eine annähernde Einigung überden Grad der Wirkung dieser Faktoren, die Erwärmungder Geschosse, noch nicht erzielt.
Für das Langblei kann seiner Spiegelführung wegennur die Reibung desselben an der Luft in Betracht kommen.Dieselbe ist gewiss von sehr untergeordneter Bedeutungfür eine Erhitzung der Projektile, soll aber doch der An-nahme nach wenigstens ausreichen, um eine Herabsetzungderjenigen Temperatur fern zu halten, welche die Ge-
schosse mit Metalliührung im Gewehr selbst schon durchPulvergase und Reibung an der Seelenwand erlangt haben.Das erstere Moment, die Erwärmung der Projektile, welchedirekt mit dem Pulver in Berührung stehen, durch diebei der Explosion gebildeten Gase, kann bei der sehrkurzdauernden Einwirkung auf den verhältnissmässig kleinenTheil des Geschosses, welcher mit den Gasen in Berührungkommt, ebenso wie die Reibung an der Luft, schwerlichvon Belang sein; dass eine gewisse Erwärmung des Ge-schosses durch dieses Moment gleichwohl stattfindet, istbei der bedeutenden Temperatur der Gase, welche vonNoble und Abel auf 2200° C, von Bunsen und Schischkowgar auf 3340 ° 0. geschätzt wird (Poten, Handwörterbuch),freilich anzunehmen; die Erwännung des Projektils wirdum so bedeutender ausfallen müssen, eine je grössere Flächeden Gasen ausgesetzt ist und je länger die Einwirkung derletzteren dauert.
Eine direkte Berührung des Geschosses mit der Pulver»ladung fand vollständig unter den während des Krieges1870/71 benutzten Ordonnanzgewehren übrigens nur beidem Podewilsgewehr statt, eine theilweise, durch das Locheiner sonst kennenden Kartonscheibe, nur bei der Werder-(Feldl-) Patrone (bei der des Chassepot befand sich aussereiner solchen Scheibe noch die Papierhülse des Pulverszwischen Pulver und Geschoss). Alle übrigen Geschossewaren vor einer direkten Berührung des Pulvers durchzwischengelegte Kartons oder durch einen dicken Filzpfropfen(Tabatiere) geschützt. — Wie gering die Einwirkung derGase auf das Geschoss ist, dürfte wohl die Betrachtungder Isolirscheiben ergeben, welche bei dem DeutschenInfanteriegewehr M/71 aus einer beiderseits mit dünnenKartons bedeckten Wachsscheibe bestehen; man kann ohneMühe auf dem Schiessstande in einiger Entfernung vomSchützen diese Scheiben der grossen Mehrzahl nach un-geschmolzen und überhaupt unverändert auflesen. Ferner-hin zeigte der Spiegel des Zündnadelgewehrs ganz gewöhn-lich nur eine leichte Bräunung, trotzdem doch in demselbennoch die Zündpille angebracht war.
Beträchtlicher muss der Einfluss der Reibung desGeschosses an den Seelenwandungen des gezogenen Laufessein, zumal wenn der Geschossdurchmesser grösser ist oderwird, als derjenige des Laufes, und ferner, wenn diereibenden Flächen besonders gross sind oder sich durchRauhigkeiten auszeichnen. Hinzu kommt bei Schnellfeueroder längere Zeit fortgesetztem Schiessen die bedeutendeErwärmung des Laufes selbst, bedingt vornehmlich durchdie Pulvergase, selbstverständlich aber auch durch dieReibung der hindurchgepressten Geschosse.
Die Bedingungen der Erwärmung müssen somit fürjedes einzelne Gewehr- und Geschosssystem differiren, ganz