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4. Chirurgischer Theil B (1884) Die physikalische Wirkung der Geschosse : (mit besonderer Beziehung auf die während des Krieges 1870/71 verwendeten Projektile) ; erläutert an den Präparaten der kriegs-chirurgischen Sammlung des medizinisch-chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Instituts zu Berlin ; nebst dem Katalog der Sammlung
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Physikalische Wirkung der Geschosse.

Band IV.

Band IV.

Ueberschlagen in der Luft bei dein Chassepotprojektil be-obachtet; die Thatsache erklärt sich durch den weit nachhinten verlegten Schwerpunkt, den schweren Führungsringund dadurch, dass das Projektil nicht exakt konzentrischgeführt war.

Bis zum Verlassen des Laufes wirken die Pulvergaseund die Neigung des Laufes zur Horizontalen der Er-höhungswinkel auf das Geschoss in der Richtungder verlängerten Seelenachse ein; sofort machen sich aberjetzt die Schwere des Projektils und der Widerstand derLuft geltend. Die Schwere bewirkt ein gleichmässigesFallen und würde im luftleeren Raum die Flugbahn zueiner Parabel gestalten; durch den Widerstand der Luft,welcher der Bewegungsrichtung nahezu in Richtung derBahntangente entgegenwirkt, wird indessen die Geschwindig-keit des Fluges fortgesetzt vermindert und der Schwere fürdie Zeiteinheit eine stets wachsende Einwirkung gestattet,so dass die Geschossbahn gegen ihr Ende immer mehr zurErde hin gekrümmt wird. Je mehr Angriffspunkte aberdie Luft an einem Geschosse findet, um so mehr muss sichder Widerstand derselben geltend machen; er wird alsowachsen, wenn die zur Bewegungsrichtung senkrechte Durch-schnittsfläche des Geschosses unter sonst gleichen Verhält-nissen zunimmt; er wird geringer bei schweren und solchenGeschossen sein,deren Spitze leicht die Luft abfliessenlässt", wie es bei der ogivalen glatten am ausgiebigsten ge-schieht (vergl. Zeichnung 1). Je grösser die Geschwindigkeit

V

Zeichnung 1. Verhältniss des Luftwiderstandes zurGestalt der Geschosse. (Nach v. Neumann.)

ist, um so mehr Luft muss das Projektil in der Zeiteinheitverdrängen, d. h. mit Zunahme der Geschwindigkeit wächstder Widerstand, mit abnehmender Geschwindigkeit wirdauch der Widerstand geringer.

Ueber die Abnahme der Geschossgeschwindigkeit beizunehmender Distanz giebt Kocher für das Vetterli- (jetzigesSchweizerisches Ordonnanz-) Gewehr die folgenden Angaben:

. 435 m Geschwindigkeit,

. 410 in

. 390 m

. 352 in

. 327 m

. 308 in

. 262 m

. 232 m

. 208 in

. 187 m

Bei der verhältnissinässig geringen Querschnittsbelastungund den Reifelungen dieses Geschosses nimmt die Geschwin-digkeit wohl wesentlich rascher ab, als bei den jetzt ein-

Di stanz von 0 m

25 in

50 m

100 m

150 m

200 m

400 m

600 m

800 m

1000 m

geführten glatten Geschossen der meisten grösseren Staaten.Die wirksame Schussweite reicht nach v. Neumann bis 1000 mfür das Vetterligewehr, während Werder, Mauser M/71und Chassepot-Gras bei fast derselben Anfangsgeschwindig-keit eine solche von etwa 1600 m und einen bestrichenenRaum (für 1,80 m Höhe) von 10 bezw. 9 m in letztererEntfernung haben gegen 23 m, welche das Vetterligewehrin 900 m hat; das im Kriege geführte Chassepot hatte(Weygand) noch auf 1200 m Distanz einen bestricheneuRaum (Rasanz") von 14 m für 1,80 m Höhe. Es dürftendeshalb wohl die oben angegebenen Werthe für die Abnahmeder Geschwindigkeit mit Bezug auf Werder- und Chassepot-gewehr als etwas zu hoch zu betrachten sein.

Die relativ bedeutende Sprengladung der Granatenverleiht den ausserordentlich verschieden grossen und ver-schieden gestalteten, eckigen Sprengstücken eine grosseGeschwindigkeit; dieselbe nimmt jedoch rasch ab, da dieStücke zumeist eine recht ungünstige Form zur Ueber-windung des Luftwiderstandes haben. Die geringe Spreng-ladung der Schrapnels genügt eben zur Zertrümmerungdes Eisenkerns; die Sprengstücke desselben sowie dieKugeln der Ladung behalten vorwiegend die Flugrichtungdes eigentlichen Geschosses bei, zerstreuen sich jedoch ineinem Kegel. Ihre lebendige Kraft nimmt ebenfalls sehrrasch ab. Aehnlich verhält es sich mit den Bomben.

Das Beharrungsvermögen der Langgeschosse in Ver-bindung mit der durch die Rotation veränderten Einwir-kung des Luftwiderstandes verursacht, dass sich die Ge-schosse mit ihrer Längenachse mehr oder weniger schrägzur Flugbahntangente stellen, sowie dass dieselben um denSchwerpunkt als Drehpunkt in einem Doppelkegel konischpendeln. Gleichzeitig tritt bei Rechtsrotation eine Ab-lenkung des Geschosses nach rechts ein, welche je nachFlugzeit und Krümmung der Bahn eine verschiedene, imUebrigen aber unter gleichen Verhältnissen eine sehrregelmässige ist Deviation.

Die Flugbahn der Langgeschosse wird hierdurch zu einerdoppelt gekrümmten Linie, derballistischen Kurve".

Die Kraft, mit welcher die Geschosse das Ziel treffen,heibst die lebendige Kraft; sie ist nicht gleichbedeutendmit Durchschlagskraft, da diese noch von der Form undder Widerstandsfähigkeit der Geschosse bezw. der Art desWiderstandes neben der lebendigen Kraft der Projektileabhängig ist. Die lebendige Kraft ist das halbe Produktaus der Masse und dem Quadrate der Endgeschwindigkeiteines Geschosses, d. h. dieselbe wird zunehmen mit dergrösseren Anfangsgeschwindigkeit und grösserem Gewichtdes Geschosses und um so grösser bleiben, je günstigerdie Bedingungen für die Ueberwindung des Luftwider-standes sind; alle Momente aber, welche störend auf denFlug des Geschosses einwirken, bedingen deshalb auchdirekt eine Schwächung der lebendigen Kraft, deren Haupt-faktor die Geschwindigkeit ist.

III.

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