Druckschrift 
Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
Entstehung
Seite
154
Einzelbild herunterladen
 

154

bekannte Männer zugesellen, hauptsächlich zum Sammelnoder Gruppiren des Stoffes, so zu sagen für die gröbereArbeit, während der Lövventheil des geistigen Schaffens undnoch mehr des litterarischen Ruhmes ihnen bleibt. Viel-mehr handelt es sich nur darum, wie weit das vereinteArbeiten zweier völlig gleichstehender und gleichberechtigterPhilologen an ein und demselben Object der wissenschaft-lichen Forschung zu empfehlen sei.

Ich meine nun, dass einem solchen, wenigstens in derformalen Philologie, sehr erhebliche Bedenken entgegen-stehen. Ist es schon sehr schwierig, zwei gelehrte, zumalphilologische, Köpfe unter einen Hut zu bringen, so er-scheint solches bei der höchsten und edelsten Aufgabe derformalen Philologie, bei einheitlichen, künstlerisch abgerun-deten Restitutionen von Werken der Litteratur, unmög-lich, selbst wenn die Begabung zweier Philologen und diegegenseitige Connivenz ganz gleich wären. Denn wie jederweiss, der sich einmal an jene Aufgabe gemacht hat, kom-men für den Kritiker häufig so subtile Details des Wissensoder Erwägens in Betracht, dass es schon sehr schwerist sie einem Andern begreiflich zu machen, geschweigedass sie anders als durch die einheitliche Anstrengung eines,seiner Ziele und Mittel ganz genau bewussten, Geistes be-friedigend erledigt werden könnten.

Ein Zusammenarbeiten erscheint also nur dann erspriess-lich, wenn ein und derselbe Autor zugleich für die formaleund die reale Philologie bedeutende Ausbeute gewährt. Da-bei müsste aber als Regel gelten, dass die endgültige Ge-staltung des Textes immer dem Formalisten anheimfiele(weil sonst das. bez. Werk leicht ein buntscheckiges Aus-sehen erhalten könnte), und etwaige Divergenzen des Rea-