An Herrn Professor Fr. Zarncke,
Herausgeber des Litlerarischen Centralblatts in Leipzig.
Geehrter Herr College!
Schon mehrfach bin ich während der letzten Jahre indem litterarischen Centralblatt Gegenstand unbilliger, theil-weise gehässiger Beurtheilungen oder Anspielungen gewesen.Vornehmlich hat meine jüngste Publication — die 'wissen-schaftliche Biographie Ritschl's — eine ebenso ungünstigeals schnelle Kritik erfahren in der Nr. 44 des vorigenJahrganges, S. 1477 fr.
Nun ist es seit vielen Jahren mein Grundsatz, auf keineKritik zu repliciren, und gestatten Sie-mir, kurz die Gründedieser Abstinenz darzulegen.
Zunächst wird man, wenn man so viel Lob und soviel Tadel auf seiner litterarischen Laufbahn geerntet hat,wie der Schreiber dieses Briefes, überhaupt ziemlich stumpfgegen alle Kritiken. Deshalb ist es seit langer Zeit meineSitte, alles, was sich auf mich in der philologischen Litte-ratur bezieht, lediglich darauf anzusehen, ob ich etwas dar-aus lernen kann oder nicht. Im ersten Fall wird dies ge-wissenhaft notirt, gleichviel ob ein Panegyriker oder einZoilus, ein Attiker oder ein Böotier das Wort führt; imzweiten wandert das bezügliche Schriftstück ohne Gnadein den Papierkorb.