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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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der culturhistorischen Aufgabe unserer Disciplin auf's schärfsteangekämpft werden muss, eine öffentliche Ermunterung, wonicht gar Sanction erhalten würde.

Möge sich also der Philologe begnügen mit Erwerbung,bezüglich Mehrung des sprachlichen Wissens, wie es diegründliche Kenntniss der römischen und griechischen Lit-teratur gewähren kann, und alles, was aus der indo-euro-päischen Sprachvergleichung für ihn in Betracht kommt,aus zweiter Hand nehmen! Selbst innerhalb der klassischenPhilologie muss ja der Formalist oft genug vom Realisten,und umgekehrt dieser von jenem aus zweiter Hand nehmen.Auch ist dies kein so grosses Unglück. Denn ein tüchti-ger Gelehrter wird immer nur Thatsachen aus zweiterHand nehmen, Combinationen aber, die sich an jeneknüpfen, falls sie für ihn nöthig sind, selbst prüfen, was,da die Methode für das gesammte Gebiet der historischenwie der philologischen Disciplinen sowie der vergleichendenSprachwissenschaft im Wesentlichen dieselbe ist, nicht zuschwer sein kann.

Ohne Kenntniss des Sanskrits haben Männer wieBentley, Porson, Hermann, Lachmann, Ritschi, Cobet undAndere ihren Namen dauernd in der Geschichte der griechi-schen oder römischen Grammatik und Metrik fixirt. Manwird sagen, es würde ihnen nützlich gewesen sein, wennsie Sanskrit verstanden hätten, sie würden dann mancheEinseitigkeiten und Verirrungen gemieden haben. Gewissist das richtig. Aber es ist sehr zu bezweifeln, ob sie mehroder auch nur ebensoviel geleistet haben würden, wennsie ihre Kraft zersplittert hätten.

Von verschiedenen Grundsätzen ausgegangen sehenwir eine Gattung Sprachgelehrter, von denen frühere Jahr-