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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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während der Philologe, für den die Sprache desto wichti-ger ist, je mehr sie der höchsten Blüthe sich nähert, jezahlreichere Denkmäler der Litteratur sie aufzuweisen hat,solchen Piecen nur secundäre Bedeutung, häufig bloss denWerth eines Curiosums beilegt. Alle Sprachforschung!wie jede historische Untersuchung, gleicht einem Janusbilde.Sie blickt theils vorwärts, theils rückwärts. Dabei theilensich nun die Aufgaben so, dass der Philologe vornehmlichnach vorn schaut: sein wesentlichstes Interesse ist auf denStand der Sprache gerichtet, den sie zur Zeit der grösstenVollendung der Litteratur, die naturgemäss mit der schönstenund reichsten Sprachentwicklung zusammenfällt, inne hat.Der Sprachvergleicher dagegen fasst vornehmlich die ältesten,der vorlitterarischen Zeit am nächsten stehenden Sprachge-bilde in's Auge, mögen sie auch noch so roh sein, und mitRecht: denn diese repräsentiren die ursprüngliche, den Forma-tionen verwandter Sprachen ähnlichste Gestalt eines Sprach-baus am treusten. So begegnen sich also Sprachvergleicherund Philologe am häufigsten in den ältesten Denkmälern derSprache und Litteratur, am seltensten in denen, welche diefeinste Entwicklung der Sprache und Litteratur repräsentiren.

Wie ich schon vorhin bemerkte, hat die Litteraturfür den Sprachvergleicher ein rein sprachliches Interesse.Wird aber ein Sprachvergleicher mit der Litteratur, sowieüberhaupt mit dem geistigen Leben eines Volkes so ge-nau bekannt, dass er den philologischen Anforderungenentspricht, so hört er für die bezügliche Sprache eben aufbloss Sprachvergleicher zu sein, tritt vielmehr in die Reiheder Philologen.

An sich wäre es ja nun gewiss sehr erwünscht, wennein Gelehrter heutzutage zugleich im Gebiete der vergleichen-