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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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vergleichung in der wissenschaftlichen Biographie S. 8 nichtErwähnung gethan, weil ich eben für das, was man ge-meiniglich unter Sprachvergleichung versteht, bei Feststellungder Aufgaben der klassischen Philologie keinen Platz fand.Ich will dies hier genauer motiviren.

Unter Sprachvergleichung verstehe ich natürlich nichtdie Vergleichung zwischen Latein und Griechisch, wie sieschon von den Alten zum grossen Vortheil der beidenSprachen, zumal des Latein, der weit Jüngern Schwesterdes Griechischen, dann seit der Renaissance von den Neuernbetrieben ist. Vielmehr meine ich hier die Vergleichunganderer Sprachen, und zwar, um nicht in's Unendliche zuschweifen, die Vergleichung der mit den klassischen Idiomenverwandten des s. g. indo - europäischen Sprachgebietes.Diese in unserm Jahrhundert erfreulich aufgeblühte Disci-plin gehört, meines Erachtens, nicht in das Gebiet der klas-sischen Philologie, obwohl sie ihm benachbart ist, undzwar aus folgenden Gründen.

Der Philologe ich rede natürlich nur von den Phi-lologen, wie sie sein sollen, nicht wie sie leider oft ge-wesen sind betrachtet die Sprache durchaus nur alsMittel, in die geistigen Denkmäler eines Volkes so tief alsirgend möglich einzudringen. Die gründlichsten, umfang-reichsten, subtilsten Untersuchungen auf dem Gebiet derGrammatik, Syntax, Metrik sind ihm immer nur Vorarbei-ten zu diesem Zweck. Wenn die klassischen Philologenmit einer oft verspotteten Sorgfalt den kleinsten, scheinbargeringfügigsten Details in Grammatik, Syntax und Metrikdes Latein und Griechisch nachforschten, so thaten sie diesmit vollem Rechte, in sofern der so schwierige Bau derklassischen Sprachen, verbunden mit der grossen, nicht

F. Xiischl, v. L. Mueller. IO