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Leben wie in der Wissenschaft, das stets, wie Tacitus sagt,ad deteriora promptum ist, wird in neun Fällen von zehnunbedenklich behaupten, dass nicht wirkliches Unrecht,sondern gekränkte Eitelkeit dem Erwidernden die Federin die Hand gegeben.
Mit Rücksicht auf die oben geschilderten Schwierig-keiten und Mängel verdient es noch alle Anerkennung, dassdas Lit. Centralbl., mögen auch noch so viele verunglückteund verkehrte Recensionen untergelaufen sein, doch in derFälle Mehrzahl, soweit mein Urtheil reicht, sich auf einenicht unrühmliche, für die Wissenschaft nicht unerspriess-liche Weise seiner Aufgabe erledigt hat.
Was die im Lit. Centralbl. beliebte Anonymität be-trifft, so habe ich, wie viele Gelehrte, die für Sie geschrieben,von derselben keinen Gebrauch gemacht. Denn es war wohlnie ein Leser im Zweifel, wen die Buchstaben sq. s. f. s. p.cbezeichneten, selbst abgesehen, dass ich es an äusseren In-dicien nicht fehlen liess.
Doch kann ich Schopenhauer's bekannte Ansichtenüber anonyme Recensionen nicht billigen, meine vielmehr,dass bei Recensionen gelehrter Journale, grade wie bei denLeitartikeln und Correspondenzen der politischen Blätter,ziemlich ebensoviel für die Anonymität spricht als dagegen.
Wenn in anonymen Recensionen sich Hass und Neidbequemer Luft machen können als in gezeichneten, so bietendiese wieder der Augendienerei und Servilität gegen ein-flussreiche Grössen der gelehrten Welt ein günstigeres Feld.Wenn, geschützt durch die Anonymität, zuweilen die un-bedeutendsten Persönlichkeiten über die grössten Geisterstraflos zu Gericht sitzen, so hat die Anonymität wiederdas Gute, dass, wenn ein Gelehrter ersten Ranges, der doch