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auch irren kann, ungerechten Tadel über ein Werk aus-giesst, dies dem Betroffenen weit weniger schadet, als wennjener das Urtheil mit der Autorität seines Namens gestützthätte.
Kurz ich halte diejenigen für Ideologen, die meinen,es würden mit dem Schwinden der Anonymität auch die un-gerechten Kritiken aufhören. Vielmehr werden die schlech-ten Recensenten genau so lange bleiben wie die schlechtenSchriftsteller, d. h. vermuthlich bis an's Ende der Welt —denn beide ergänzen sich wechselseitig.
Nur sollten die Vertreter anonymer Recensionen, wennsolche, wie offenbar die in Rede stehende, von jungen, inder Wissenschaft wenig bekannten Persönlichkeiten herrühren,diesen, zumal Gelehrten von einigem Namen gegenüber, stetsdie grösste Rücksicht und Bescheidenheit zur Pflicht machen.
Prüfen Sie einmal darauf hin, geehrter Herr College,die Recension der wissenschaftlichen Biographie!
Wie stets, ist auch hier mit der Unwissenheit undGedankenlosigkeit im Bunde der Dritte die Ueberhebung.
Bis hierher wendet sich das Supplement der wissen-schaftlichen Biographie Ritschrs zuerst an Sie. Das Fol-gende appellirt nicht in gleicher Weise an Ihre Adresse.Es ist zunächst bestimmt für die Vertreter der klassischenPhüologie, erst in zweiter Instanz für die Uebrigen, soweitsie den Fragen der klassischen Philologie irgend welches In-teresse entgegenbringen. Sollten Sie auch das Epimetronlesen, so wird dies für mich eine Ehre und ein Vergnügensein. Für meine Zwecke nothwendig ist es nicht.
Ich bleibe mit schuldigen GefühlenSt. Petersburg, den 27. December 1877. Ihr ergebenster
L. Müller.