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Denn ich kann Ihnen nicht verhehlen, dass grade indem letzten Lustrum ziemlich viel Recensionen philologischerBücher in dem Lit. Centralbl. erschienen sind, die, nachmeiner Ansicht, mochten sie auch nicht so tief stehen alsdie eben zurückgewiesene, viel, sehr viel zu wünschen Hessen,sowohl was die gründliche Kenntniss der besprochenenSchriften und das feinere Verständniss der Intentionen ihrerAutoren, als auch was die Vertheilung von Lob und Tadelbetraf, ob auch alles, wie zuweilen geschehen, in der be-wusstesten, selbstgefälligsten Form vorgetragen war.
Nun sind freilich, bei den weiten Zielen, die sich dasLit. Centralbl. gesteckt hat, ungerechte Recensionen garnichtzu vermeiden, und Niemand wird es tadeln, dass Sie inner-halb der Wissenschaften, in denen Sie wenig oder gar nichtzu Hause, also ganz auf fremden Rath angewiesen sind,mitunter fehlgreifen. — Die Schwierigkeit für Sie wird nochgrösser durch das Princip, möglichst kurze Recensionen zubringen, so dass diese nur ganz ausnahmsweise über dasschon ungern gewährte Maximum von 120 Zeilen hinaus-gehen. Freilich stiftet eine kurze Recension, wenn sie un-parteiisch, sachkundig und verständig geschrieben ist, mehrNutzen als eine lange: aber dafür ist sie auch desto schwie-riger. Was der Dichter sagt:
Oftmals zeichnet der Meister ein Bild durch wenige Striche,Was mit unendlichem Wust nie der Geselle vermag;
gilt mindestens ebensosehr für Kritiken als für die Werkefreier Schöpfung. Es ist unendlich schwerer, in wenigenZeilen Inhalt, Ziel und leitende Gedanken, Vorzüge undMängel einer Schrift klarzustellen als auf vielen Seiten. Essollten also kurze Recensionen immer nur von Meisternder Wissenschaft verfasst werden: jeder weiss aber, dass