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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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ist sehr zweifelhaft. Denn der Privatdocent ist mit demAusarbeiten seiner Vorlesungen, sowie wissenschaftlicher'Werke, die ihm den Weg zur Professur bahnen sollen,vollauf beschäftigt. Ist er aber Professor geworden, somuss er gewöhnlich den Kreis seiner Vorlesungen noch er-weitern, ausserdem kommen die Examina und andere amt-liche Geschäfte, endlich noch, falls er nicht, was doch kaumzu billigen, es vorzieht auf seinen Lorbeern zu ruhen, weiterewissenschaftliche Productionen. Dies alles hindert, in demMasse »Einseitigkeiten, Lücken und Mängel« der Ausbil-dung auf der Universität zu beseitigen, als nöthig wäre.Diese Pflicht aber hat der Docent eben so sehr gegen sichals gegen seine Zuhörer. Denn nur durch umfassende Ge-lehrsamkeit vermag er es, den übrigen namhaften Gelehrtenderselben oder früherer Zeit gerecht zu werden, seinen Zu-hörern Achtung und Sympathie für die grossen Geisterdes klassischen Philologie einzuflössen, bei seinen eigenenForschungen, wie bei denen, die er anregt, gehörig derWahrheit zu dienen. Andernfalls kann ihm leicht ein ähn-licher Vorwurf zu Theil werden, als man Seneca in Bezugauf seinen Schüler Nero machte: er habe ihn vom Studiumder alten Redner ferngehalten, um ihn desto länger in derBewunderung der Beredsamkeit seines Lehrers zu bannen.

Es sollte also von Staatswegen eine Bestimmung, wiedie von Lachmann gewünschte, für die Habilitation fest-gesetzt werden.

Man entgegne nicht, die Concurrenz in der Wissen-schaft müsse frei sein, man solle das Talent nicht hemmen,und was dergleichen Phrasen mehr sind.

Die Wissenschaft ist kein Handelsartikel; anders istder Weg des Gelehrten und anders der des Börsenfürsten.