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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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folge jener Einseitigkeit Ritschl's, ja ein Ueberbieten der-selben zeigt. Gewänne diese auf den Deutschen Universi-täten die Oberhand, so würde dies für die klassischenStudien kaum minder verhängnissvoll sein, als wenn diereale Philologie zur Grundlage der akademischen und gym-nasialen Jugendbildung gemacht würde.

Ich glaubte mich um so mehr über diesen wichtigenPunkt offen aussprechen zu können, als ich, mag ich auchan einzelnen Schülern Ritschl's wenig Geschmack finden,der Schule als solcher nicht im mindesten feindlich gegen-über stehe, wir vielmehr ganz einig sind in dem wichtig-sten Punkte, nämlich, dass die formale Philologie die Grund-lage alles philologischen Studiums sein und bleiben muss,indem man von ihr leicht zur realen Bildung, aber nichtin gleicher Weise umgekehrt von der realen zur formalengelangen kann.

Ich gehe jetzt zu der zweitwichtigsten Aufgabe desProfessors der klassischen Philologie über, zur Bildung aka-demischer Docenten, indem ich zunächst auf das verweise,was ich S. 10 der wissenschaftlichen Biographie bemerkthabe.

Auf welchem Wege kann der philologische Professorder zweiten, auch wesentlichen Aufgabe, Gelehrte heranzu-ziehen, welche nach ihm auf den Universitäten die Wissen-schaft durch Schrift und Wort würdig fördern, am bestenGenüge leisten?

Zunächst ist natürlich erforderlich wissenschaftlichesUrtheil, um bei den Uebungen und bei persönlichem Ver-kehr die guten Einfälle der Studenten von den schlechten,die ausgezeichneten von den leidlichen zu sondern.

Ferner bedarf es des pädagogischen Tactes. Mag ein