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Friedrich Ritschl : eine wissenschaftliche Biographie
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wirksam suppliren, nicht selten aber sogar an einer grossennicht ein einziger.

Ich glaube nun, es würden sich die Opfer, welcheein philologisches Personal von dem oben geschildertenBestände erheischen könnte, von den einzelnen Staaten,selbst kleinen, sehr wohl beschaffen lassen. Die Wissen-schaft ist überhaupt in ihren materiellen Forderungen be-scheiden: sollte diese ein Staat nicht mehr erfüllen können,so thäte er besser zu abdiciren.

Auch könnte man schlimmsten Falles die Zahl derUniversitäten ein wenig beschränken. Deutschland laborirtzwar eigentlich nicht, wie die Schweiz und Holland, anzu vielen Universitäten: gleichwohl glaube ich, dass manschlimmsten Falls ohne Schaden für das geistige Leben desDeutschen Volkes drei bis vier mit andern verschmelzenkönnte.

Dies führt mich auf die Frage, wie weit die Existenzder kleinen Universitäten für das Studium der klassischenPhilologie förderlich oder hinderlich sei.

Versteht man unter einer kleinen Universität eine solche,die an einem kleinen oder mittelgrossen Ort fundirt ist, sobin ich ihr eifriger Vertreter, ohne jedoch damit zu be-haupten, dass die Universitäten in Weltstädten aufzuhebenseien. Vielmehr hege ich die Meinung, dass beide, wennauch aus sehr verschiedenen Gründen, sehr wohlthätig wirkenkönnen. Denn die grossen Universitäten bieten dem Stu-denten manches zur Bildung, sogar ausserhalb seiner Dis-ciplin gelegenes, was er an kleinen oder an seinem künfti-gen Berufsorte oft vergeblich sucht; die kleinen dagegensind dem Verkehr mit den Docenten, sowie der Vereinigungharmonirender Naturen zu gemeinsamem Studium günstiger.