ist. »Ritschi konnte alles, was er angriff.« Und nachherheisst es, wenn man die Phrasen wegnimmt, »Ritschi konnte,was er konnte«. Merkwürdigerweise ist dies bei allenSterblichen der Fall, auch wenn sie keine Spur von Ritschl'sGeist in sich tragen. »Ritschi konnte alles, was er angriff«.Dann hätte er alles, was er angriff, zum Abschluss bringenmüssen. Jeder Student aber weiss, dass Ritschi durch das,was er bei seinen Arbeiten unvollendet liess, sowie durchseine Irrungen der Wissenschaft grade ebenso viel genützthat als durch seine Entdeckungen. Und der An. sagtselbst wenige Zeilen später, Ritschl's Arbeiten hätten einenaufschliessenden, nicht abschliessenden Charakter! Dochdas Schlimmste ist, was in der Mitte steht.
Wenn ich. den An. richtig verstehe — und ich wüsstenicht wie man ihn anders verstehen könnte als ich —, someint er, Ritschi sei nicht etwa durch Mangel an Zeit,hervorgerufen vornehmlich durch die aufopfernde, ja über-grosse Theilnahme, die er den Arbeiten seiner Schüler wid-mete, also durch einen rein äusserlichen und zufälligen Um-stand, sondern durch mangelnde Begabung verhindert wor-den, ein systematisches Werk zu schreiben.
Wie Lachmann seine schlimmsten Feinde stets unterseinen Berliner Anhängern zählte, so kann auch Ritschi indiesem Fall bitten, dass ihn der Herr vor gewissen Freundenschütze — und wird dazu vielleicht noch öfter Gelegen-heit haben.
Wäre Ritschi nämlich wirklich kein systematischerKopf gewesen, hätte er es nicht vermocht, vom Kleinenzum Grossen, vom Theil zur Einheit vorzuschreiten, sowäre er nichts als ein Gelehrter von guten Einfällen, einglücklicher Conjectator, wie manche unter den besseren